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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
440
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44° Ueber die menfcbliche Natur.

Aber fo wie die Natur in allen Stücken eineArt von Gerechtigkeit und Vergütung beobachtethat, fo hat fie auch die Philofophen eben fo wenig,als die übrigen Gefcliöpfe vernachläi'figet; fondernhat ihnen bei allem ihrem Misgefchick und bei allerihrer Betrübnifs einen Troft aufbehalten. DieferTroft befteht vornehmlich in ihrer Erfindung derWorte Vermögen und verborgene Eigen-f c h a f t (qualitas occulta.) Denn fo wie es ge-wöhnlich ift, dafs man bei dem häufigen Gebrauchgewiffer Worte, die eine reale und verftändiicheBe-deutung haben, nicht an den Begriff denkt, denman durch fie ausdriicken wollte, und blos die Ge-wohnheit beibehält, vermittelft der man fich, fobald man will, wieder an den Begriff erinnernkann; fo gefchieht es auch, dafs wir uns auch ge*wiffe Ausdrücke, die an fich, ohne alle Bedeutungund gänzlich unverftändlich find, wenn wir fie öf-ters gebrauchen, auf gleiche Art gewöhnen, undfie eben fo wie die vorigen behandeln, indem wiruns einbilden, dafs fie einen verborgenen Sinn ha-ben, den wir, bei einigem Nachdenken, fogleichentdecken können. Die Aehnlichkeit in ihrer Er*fcheinung täufcht, wie gewöhnlich, das Gemüth,und macht, dafs wir uns eine vollkommne Aehn*lichkeit und Gleichförmigkeit einbilden. Hierdurchfchaffen fich nun diefe Philofophen Ruhe, und ge-langen zuletzt, durch eine lllufion, zu eben derGleichgültigkeit, die der Pöbel durch feine Dumm-heit und der ächte Philofoph durch feinen befchei-

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