424 Ueber die menfchliche Natur. •
tiefften Nachdenken, unterbrechen, und unfer gati'zes Fvaifounement mit allen Folgen der philofophi-fchen Meinung vernichten kann. Ob wir z. E. gleichdie Abhängigkeit und die Unterbrechung unfrerVerkeilungen erkennen, fo bleiben wir doch mittenauf dem Wege ftehen, und verwerfen um defswillenden Begriff der unabhängigen und kontinuirlichenExiftenz nicht, wie wir doch nach der Einficht derVernunft thun follten. Diefe Meinung hat in derEinbildung fo tiefe Wurzel gefafst, dafs es unmöglichift, fie jemals auszurotten, und der ftrengfte rneta-phyfifclie Beweis von der Abhängigkeit unfrer Ver-keilungen wird nie zu diefem Zwecke zureichen.
Aber obgleich unfre natürlichen und gemeinenPrincipien hier über unfre ausftudierten Reflexionendie Oberhand behalten, fo mufs doch gewifs dieMeinung immer einen Anftofs behalten, die Ver-nunft mufs eine Widerfetzlichkeit äuffern, fie gel-ten zulaffen, wenigftens fo lange, als die Spekula-tionen noch einige Kraft und einiges Leben behal-ten. Um uns aus diefer Verwirrung zu helfen, er-denken wir eine neue Hypothefe, welche diefe bei-den Principien der Vernunft und der Einbildungs-kraft, zu begreifen fcheint. Diefe Hypothefe ift diephilofophifche Vorausfetzung der doppelten Exi-ftenz der Vorftellungen und der Objekte, welcheerftlich unfrer Vernunft gefällt, weil fie zugiebt,dafs unfre Vorftellungen unterbrochen und verfchie-den find; und die zweitens zu gleicher Zeit auchder Einbildungskraft angenehm ift, weil fie die kon-
tinuir-