Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410 lieber die menfchliche Natur.

Heilung nicht notliwendigerweife eine Unterbre-chung in feiner Exiltenz nach fich zieht, ift es no-tliig hier einige Grundfiitze zu berühren, Avelcheweitläufiger zu erklären, wir erft in der Folge'*)Gelegenheit finden werden.

Wir wollen mit der Bemerkung anfangen, dafsdie Schwierigkeit im gegenwärtigen Falle nicht indem Gegenftande der Erfahrung, auch nicht darinliegt, ob das Gemüth einen folchen Schlufs in An-fehung der kontinuirlichen Exiftenz feiner Vorftel-lungen mache, fondern fie betrift nur die Art undWeife, wie fie ihn macht und die Grundlatze, aufwelchen er beruhet. Es ift gewifs, dafs faft alleMenfchen und fogar die Philofoplien, die melnjefteZeit ihres Lebens hindurch, ihre Vorftellungen fürihre einzigen Objekte halten und vorausfetzen, dafsdaffelbige Wefen, welches dem Gemüthe innigft ge-genwärtig ift, der reelle Körper oder die exiftiren-cle Materie fey. Es ift alfo gewifs, dafs man vor-ausfetzt, diefe Vorftellung oder diefes Objekt habeein kontinuirliches ununterbrochenes Dafeyn, undwerde weder durch unfre Abwefenheit vernichtet,noch durch unfre Gegenwart zur Wirklichkeit ge-bracht. Wenn wir von ihm abwefend find, fo fa-gen wir immer noch, dafs es exiftire, aber dafswir es nur nicht fehen und nicht fühlen. Hier wer-den alfo zwei Fragen entfteheu, Erftlich wieüberzeugen wir uns davon, dafs wir annehmen , ei-ne

*) Abfehn. 6 .