Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
388
Einzelbild herunterladen
 

Uebcr die men fehl i che Natur.

wir als innerlich und verfclnvindend betrachten,diele Eigenfchaften aufzufinden.

Es ift aber weder das Unwillkührliche gewifferImpreffionen, wie man gemeiniglich annimmt, nochihre gröfsere Stärke und Kraft die Urfache, wes-halb wir ihnen eine Realität und eine kontinuirli-che Exiftenz beilegen, welche wir andern, die will-kührlich oder fchwach find, abfprechen. Denn wirwiffen ja, dafs Schmerz und Vergnügen, Leiden-fcliaften und Begierden, denen wir nie eine Exi-ftenz auffer unfrer Vorftellung beilegen, mit weit'grüfserer Heftigkeit wirken, und eben fo unwill-kiihrlich find, als die Impreffionen der Figur mulAusdehnung der Farben und Töne, welche wir fürbleibende oder fortdaurencle Wefen halten. DieHitze eines Feuers, glaubt man, fey in dem Feuer,fo lange man fie nicht fehr empfindet; aber derSchmerz, den es bei feiner Annäherung verurfaclit,hat nach unfrer Meinung kein andres Dafeyn, alsin der Vorftellung.

Nachdem wir nun diefe gewöhnlichen Meinun-gen verworfen haben, fo muffen wir uns nach ei-ner andern Hypothefe umfehen, durch die wir lol-che befontlre Eigenfchaften in unfern Impreffionenentdecken können, welche verurfachen, dafs wirihnen eine abgefonderte und beharrliche Exiftenzbeilegen.

N ach einer kurzen Prüfung werden wir finden,dafs alle diejenigen Objekte, denen wir eine kon-tinuirliche Exiftenz beilegen, eine befondere Be-

ftän-