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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
373
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Von andern philofoph. Syftemen. 373

von den gewöhnlichen Urtheilen und Meinungendes Menfchen herrühren. Die Aufmerkfamkeitder Seele ift zu lehr gefpannt; die Lage des Ge-müths unbequem ; und die Lebensgeifter werdenaus ihrem natürlichen Gleife gebracht, ihre Bewe-gungen werden nicht durch diefelben Gefetze be-ftimmt, wenigftens nicht in dem Grade, wie wennfie in ihren gewöhnlichen Kanälen fliefsen.

Wer ähnliche Beifpiele verlangt, wird keinegrofse Mühe haben, fie zu finden. Die gegenwärti-ge Materie der Metaphyfik wird uns hinlänglichdamit verleiten. Derfelbige Beweis, der in einemDiskours über die Gefchichte oder Politik überzeu-gend gefchienen haben würde, hat in abftrakternMaterien wenig oder keinen Einflufs, felbft wenn fievollkommen begriffen werden; und diefes deswe-gen, weil, um fie zu faffen, ein miihfames Studium,eine ftarke Anftrengung des Denkens erfordert wi rd ;und diefe Anftrengung ftört die Wirkung untrerMeinungen, wovon unter Glaube abhängt. In andernDingen ift der Fall derfelbe. Das Anftrengen derAufmerkfamkeit hindert den regelmäfsigen Flufsder Leidenfchaften und Meinungen. Ein tragilcherDichter, der feine Perfonen in ihrem Unglück, alsfehr unterhaltend und witzig aufftellen wollte, wür-de nie ein Intereffe erregen. So wie die Bewegun-gen der Seele das fubtile Denken und Spekulirennicht zulaffen, fo find hinwiederum die letztemHandlungen der Seele den Gemüthsbewegungeneben fo nachtheilig. Sowohl die Seele als der Kör-per