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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
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364
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364 lieber die menfchliche Natur.

Demnach wird alfo alle Erkenntnifs nur eine wahr«fcheinliche Erkenntnifs feyn können; und dieleWahrfcheinlichkeit ift gröfser oder kleiner, jenachdem wir unfern Verftand als wahrhaftig oderals betriigerifch durch Erfahrung erkannt haben,und nachdem die Frage felblt einfach und leicht,oder zu fam men ge fetzt und fehr verwickelt ift.

Kein Algebraift und kein Mathematiker ift foerfahren in feiner Wiffenfchaft, dafs er ein völligesVertrauen auf eine Wahrheit, die er erft entdeckthat, fetzen, oder fie für etwas mehr als blofseWahrfcheinlichkeit ausgeben könnte. Mit jedemMale, da er feine ßeweife wieder durchgeht, wächftfein Vertrauen ; aber doch noch weit mehr durchden Beifall feiner Freunde; und den höchften Gradder Zuverficht gewinnt er durch den allgemeinenBeifall und durch die allgemeine Beiftimmung dergelehrten Welt. Nun ift aber offenbar, dafs die-fes alhnälige Wachfen der Ueberzeugung nichts ift,als ein Zufatz neuer Walirfcheinlichkeiten, unddafs es blos von der beftändigen Vereinigung derUrfachen und Wirkungen nach der vergangenenErfahrung und Beobachtung herrührt.

In Rechnungen von einiger Länge oder Wich-tigkeit trauet der Kaufmann feiten der untrüglichenGewifsheit der Zahlen mit vollkommner Sicherheit;fondern er bringt durch die künftlichen Einrichtun-gen im Rechnen eine gröfsere Wahrfcheinlichkeithervor, als welche Gefchicklichkeit und Erfahren-heit des Rechnungsführers geben können. Denn

das