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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
348
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348 Uefaer die menfcliliclie Natur.

dio eines langen Syftems von Regeln und Vorfchrif-ten nach zu ahmen, um dadurch unfre Urtheilskraftzu regieren. Alle Regeln diefer Art find leicht zuerfinden, aber aufserordentlich fchwer in der An-wendung; und felbft die Erfahrungsphilofophie,welche doch die natiirlichfte und einfachfte zu feynfcheint, erfordert die gröfste Stärke des menfchli-chen Urtheilsvermögens. Da ift keine Erfcneinungin der Natur, die nicht zufammengefetzt, und vonfo mancherlei verfchiedenen Umftänden modificirtwäre, fo dafs wir, um zu einem entfcbeidendenPunkte zu gelangen, alles forgfältig abfondern müf-fen, was iiberfliiffig ift, und dafs wir durch immerneue Verfuche erforfchen muffen, ob jeder Um-ftand des elften Verfuclis auch wefentlich dazu ge-hört. Diefe neuen Verfuche miiffen dann wiederauf gleiche Art geprüft werden; fo dafs die anhal-tendfte Standhaftigkeit dazu gehört, um bei unfermUnterfuchen beharrlich zu bleiben, und der gröfsteScharffinn, um den rechten Weg unter den fo man-nichfaltigen, die fich uns anbieten, zu wählen.Wenn diefes nun der Fall in der Phyfik ift, wievielmehr wird er es nicht in der Pfycliologie feyn,wo die Verwickelung der Umftände weit gröfser ilt,und wo diejenigen Vorftellungen und Gefinnungen,welche zu einer Handlung des Geinüths wefentlichgehören, fo eingehtillt und dunkel find, dafs fiefich oft der allerfchärfften Aufmerkfamkeit entzie-hen, und nicht nur ihren Urfachen nach unerklär-bar, fondern felbft ihrer Exiftenz nach unbekannt

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