Von Erlcenntnifs und Wahrfcheinlichkeit. 267
veranftaltet und geprüft ift, einen Beweis bauenkann. Wir fchliefsen, was wir einmal als dieFolge eines Dinges gefunden haben, das wird auchimmer feine Folge feyn; und wenn diefe Maximenicht allenthalben gewifs ift, fo ift nicht der Man-gel einer hinreichenden Anzahl von Erfahrungendaran fchuld, fondern, weil wir auch öfters Bei-fpiele vom Gegentheile antreffen, welches uns zuder andern Art der Wahrfcheinlichkeit führt, woein entgegengefetzter Fall in unfrer Erfahrung undWahrnehmung ift.
Es würde für die Menfchen in Anfeliung ihrerLebensart und ihrer Handlungen ein grofses Glückfeyn, wenn diefelben Gegenftände immer mit ein-ander verbunden wären, und wenn wir blos dieVerirrungen unfrer eigenen Urtheilskraft zu be-fürchten hätten, ohne die Ungewifsheit der Naturfelbft beforgen zu müffen. Aber da man häufigfindet, dafs eine Beobachtung der andern wider-fpricht, und dafs Urfachen und Wirkungen einan-der nicht in clerfclbigen Ordnung folgen, welchewir erfahren haben; fo find wir durch diefe Unge-wifsheit gezwungen, unfre Schlüffe zu ändern, unddie entgegengefetzten Erfolge auch mit in Erwä-gung zu ziehen. Die erfte Frage, welche alfo hier-bei vorkommt, betrift die Natur und die Urfachen.der entgegengefet.zten Fälle.
Der gemeine Haufe, der die Dinge nach ih-rem erften Scheine nimmt, fchreibt die Ungewifs-beit der Erfolge einer Ungewifsheit in den Urfa-chen