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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
237
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Von Erkenntnifs und Wabrfcheinlichkeit. 237

alle Kräfte der Vernunft und der Erfahrung zuHülfe nähmen; und diefe Angewohnheiten nähernfich nicht nur in ihrem Einfluife dem, was aus derbeftändigen und unzertrennlichen Vereinigung derUrfachen und Wirkungen entfpringt, fondern tiber-treffen daffelbe fogar bei vielen Gelegenheiten noch.Hier dürfen wir aber noch nicht damit zufriedenfevn, dafs wir fagen, die Lebhaftigkeit des Be-griffs erzeuge den Glauben; fondern wir müffenannehmen, dafs beide individualiter einerlei feyen.Die öftere Wiederholung eines Begriffs prägt ihnder Einbildungskraft ein; aber diefe könnte nievon felbft Glauben erzeugen, wenn diefe Handlungdes Gemtiths durch die urfpriingliche Einrichtunguntrer Natur blos an einen Schlufs und eine Ver-gleichung der Begriffe gebunden wäre. Die Ge-wohnheit kann uns zu einer falfchen Vergleichungder Begriffe verleiten, diefes ift die hüchfte Wir-kung, die wir uns davon vorftellen können. Aberes ift gewifs, dafs fie niemals die Stelle der Verglei-chung erfetzen oder eine Gemüthshandlung hervor-bringen kann, welche natürlicherweife zu dieiemPrincipio gehört.

Ein Menfch, der durch die Amputation einenArm oder ein Bein verloren hat, will noch langeZeit nachher diefe Glieder gebrauchen. Wenn je-mand geftorben ift, fo ift es eine gemeine Berner-kung der ganzen Familie, befonclers der Bedien-ten, dafs fie ihn kaum für todt halten können,fondern dafs fie fich immer noch einbilden, er i'ey

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