Von Raum und Zeit.'
67
Zweiter Theil.
Von den Begriffen des Raumesund der Zeit.
Erfter Abfchnitt.
Von der unendlichen T h e i 1b a r k eitunfrer Begriffe von Raum und Zeit.
Was das Anfehen der Paradoxie hat, und denerften und gemeinften Kenntniffen des Menfchenge-*fchlechts widerfpricht, wird oft von den Philofo-phen fehr begierig ergriffen. Sie bilden fielt ein,diefes zeige von der Vorzüglichkeit ihrer Wiffen-fchaft, wenn fie Meinungen entdecken können, dievon der gemeinen Faffung fo weit entfernt find.Hierzu kömmt noch, dafs alles, was Erftaunen und•Bewunderung erregt, der Seele fo wohl gefallt, dafsfie fielt gern dergleichen angenehmen Empfindun-gen überläfst, und dafs fie fich nicht leicht über-zeugt, dafs ihr Vergnügen ganz ohne Grund fey.Von diefer Gemüthsbefchaffenheit entfteht zwifchenden Philofophen und ihren Schülern die wechfelfei-iige Nachgiebigkeit und Gefälligkeit, da die erlterneine fo grofse Menge feltfamer und ungegründeterMeinungen liefern, und die letztem fie fo leichtglauben. Von diefer gegenfeitigen Gefälligkeit kannich kein deutlicheres Beifpiel geben, als das von
E 2 der