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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
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36 Uefoer die menfchliche Natur.

Das vorzüglichfte Gefchäft des Gedächtniffes ift,nicht fo wohl die einfachen Begriffe, als vielmehrihre Ordnung und Stellung aufzubewahren. Kurz,diefes Gefetz wird durch eine folche Menge vongemeinen und gewöhnlichen Erfcheinungen unter--ftiitzt, dafs wir uns alle Mühe, es. noch weitläufti-ger zu beweifen, erfparen können.

Diefelbige E\ r idenz ift mit unfrer zweiten Be-hauptung verknüpft: dafs nämlich die Ein-bild ting.sk raft die Freiheit habe, dieBegriffe zu verletzen und zu verän-dern. Die Fabeln, welche Avir in Gedichten undRomanen antr'effen, fetzen dies aufser allen Streit.Die Natur ift hier ganz umgeändert, und es ift vonnichts die Rede, als von geflügelten Pferden, vonfeurigen Drachen und von unförmlichen Riefen.Diefe Freiheit der Phantafie wird uns auch nichtbefremden, Avenn Avir bedenken, dafs' alle unfreBegriffe Kopieen von Impreffionen find, und dafses nicht zwei Impreffionen giebt, Avelche völlig un-zertrennlich wären. Denn alle Begriffe, Avenn fienicht feibft einfach find, laffen lieh doch in einfa-che zerfpalten. Wo alfo die Einbildungskraft einenUnterfchied zwifchen Begriffen .wahrnimmt, da fin-det auch eine mögliche Trennung ftatt.

Vier-