32 Ueber die menfchliche Natur.
Die erfte Art rührt in der Seele urfprünglich vonunbekannten Urfachen her, die zweite entfpringt-gröfstentheiis von unfern Begriffen, und zwar auffolgende Art: Es wirkt eine Inipreffion auf die
Sinne, und bewirkt in uns eine Wahrnehmung vonHitze, Kälte, Dürft, Hunger, oder irgend eineArt von Luft oder Unluft. Diefe Impreffion läfsteine Spur oder einen Abdruck von fielt in der Seelezurück, welche bleibt, wenn auch die Impreffionaufhört, und diefen Abdruck nennen wir einenB e griff. Wenn nun cliefer Begriff von Luft oderTJnluft wieder in die Seele kömmt, fo bringt fie dieneuen Impreffionen von Begierde oder Abfcheu,Hoffnung oder Furcht hervor, welche ich deshalbImpreffionen der Reflexion genannt habe, weil fiedavon lierrühren. Diefe werden fodann wieder*um von dem Gedächtniffe und der Einbildungskraftaufgefafst, und werden zu Begriffen, welche viel-leicht
gebühren, und alle unfre Begriffe nicht angeboh-ren lind.
Um aufrichtig zu feyn, fo mufs ich geftehen,dafs es mir vorkommt, als fey Locke bei dieferUnterfuchung durch die Schullehrer hintergangenworden, welche durch den Gebrauch unbeftimm-ter Worte, ihre Streitigkeiten in eine verdriefs-liche Länge zielten, und dabei den Streitpunktfelbft niemals berühren. Eine gleiche Zweideutig-keit und Unbeftimmtheit fcheint in allen Unterfu-chungen über diefe und die mehreften andern Ge-genftände bei die fern Philofophen zu herrfchen.