st U eher die menfch liehe Natur»
der gröfsten Gewalt wirken, ift, dafs fie ihren Ge*genftand auf eine fo lebendige Art darftellen, dafsman beinahe fagen könnte, man fühle oder feheihn. Aber zu einer folchen Höhe von Lebhaftig-keit, dafs diefe Wahrnehmungen gar nicht von je-nen zu unterfcheiden wären, können fie niemalsgelangen, das Gemi'ith miifste denn durch Krank-heit oder Raferei in Unordnung gerathen leyn.Alle Farben der Dichtkunft, wenn fie auch nochfo glänzend find, können doch natürliche Gegen-ftände niemals fo abbilden, dafs man die Befchrei-bung für die Landfchaft felber halten miifste. Derlebhaftefte Gedanke ift noch immer weit fchwächer,als die mattefte Empfindung.
Einen gleichen Unterfchied können wir bev al-len übrigen Vorftellungen der Seele bemerken. EinMenfch, der wirklich im Zorne ift, wird ganz an-ders afficirt, als ein andrer, der nur an diefe Ge-müthsbewegung denkt. Wenn ihr mir erzählt, dafseine Perlon Liebe fühlt, fo verftehe ich euch augen-blicklich, und mache mir von ihrem Gemiithszuftan-de einen richtigen Begriff; aber nie werde ich diefenBegriff für die wirklichen Unordnungen und Beun-ruhigungen diefer Leidenfchaft felbft halten. Wennwir über unfre vergangenen Eindrücke und Neigun-gen nachdenken, fo ift unfer Gedanke daran eintreuer Spiegel, der feine Objekte mit Wahrheit dar-ftellt; aber feine Farben find in Vergleichung mitdenen, worin unfre urfpriinglichen Wahrnehmun-gen erfcheinen, matt und todt. Es gehört eben kein
vor-