52 Volksschullehrcrseminar.
in das Seminarium genommen. „Hier ist zu ersehen 1) auf die Eigenschaften solcherPersonen.
Man suchte solche aus, a) welche einen natürlichen guten Verstand und einigeGemütskräfte hatten, weil man ohnedem Arbeit und Mühe genug hat, Leute, welchebei Handwerken und Diensten erzogen, zum Lernen gar nicht angehalten worden^schon einige Jahre aus der Schule ganz weggeblieben, wider zum Lernen anzu-gewöhnen, den Verstand aufzuklären und sie tüchtig zu machen, nicht nur selbst eineSache zu begreifen, sondern sie andern, und zwar kleinen Kindern, wider deutlichbeizubringen;
b) welche auch noch in ihren besten Jahren standen, z. E. in dem 18. bis 24.^bis 30. Jahre.
c) Man sähe auch sehr darauf, wie sie in Absicht ihrer Gesundheit sich befanden rsonderlich, ob sie nicht mit der Schwindsucht und Hektik oder Brustkrankheit angestecktwaren und an andern zum starken Singen und Reden erforderlichen Kräften Mangelhatten.
ä) Nebst diesem ist auch darauf gesehen worden, daß die in das Seminariumgezogenen Personen keinen allzumerklichen Fehler des Leibes hatten, z. E. nicht hinkend,lahm, schielend oder gar zu blödsichtig waren: noch weiter, daß sie keine stammelnde,stotternde Sprache führten.
e) So sah man auch darauf, ob sie auch mit Konsens ihrer Eltern könnten an-genommen werden, ob sie von ihren Herrschaften, so es Bediente waren, oder vonihren Meistern, wenn es Handwerksburschen gewesen, könnten auf eine gute, recht-mäßige Art loskommen. Man suchte also keineswegs, wie manche Widriggesinntewollten andern Leuten verhaßt vorstellen, den Herren und Meistern ihre Bediente undGesellen abspenstig zu machen.
k) Man hat sich genau und sorgfältig erkundiget, wie sich diejenigen, die insSeminar kommen sollten, in ihren Diensten und Werkstätten bewiesen, ob sie auchordentlich treu und fleißig gewesen: denn manche stellen sich ein kommodes Herren-leben bei dem Schulhalten vor, und da sie aus Faulheit und Gemächlichkeit bei ihremGewerbe nicht mehr aushalten wollen, wollen sie Schulmeister werden.
g) Nicht diejenigen, welche sich auf eine schmeichelhafte Art einbetteln wollten,oder durch allerlei andere Wege sich in das Seminarium suchten einzudringen.Es sind
b) solche zu wählen, welche sich das Schulmeisterwerden entweder von selbst alshöchst wichtig, beschwerlich und mühselig vorstellten; oder
1) fügte es sich, daß man Leute bekam, welche allbereits etwas Schreiben undRechnen und auf dem Klavier spielen konnten, so nahm man sie um soviel lieber,weil auf dem Seminario gar zu viel erfordert worden, bis sie das Klavierspielenlernten. Doch machte man daraus nicht soviel, daß man lediglich darum eine solchePerson hätte nehmen sollen. Nicht singen und orgeln, sondern die Kinder zur leben-digen Erkenntnis Jesu zu bringen, sollte die Hauptabsicht und die Hauptarbeit derSchulhalter sein.
k) Eine Hauptsorgfalt bei der Wahl und Annehmung der Seminaristen gingdahin, wo man nicht gründlich bekehrte und wahre gläubig gewordene Gemüter zuallen Zeiten haben konnte, doch gleichwol sich nach solchen umzusehen, welche einenguten Anfang in der Bekehrung gemacht, und denen es um das Seligwerden einwahrer Ernst war.
Es soll also
2) -die Gelegenheit, allerlei junge Leute kennen und prüfen zu lernen, mit be-rühret werden.
a). Erstlich gab die große Stadt Magdeburg dazu eine gute Gelegenheit: dennweil in solchen großen Städten immerzu eine große Menge Handwerksburschen sich