32 9ftfe
dasselbe koloristische Prinzip wie in seinen Aquarellen. Unter Aquarell-malerei verstand man damals nur das Ausfüllen gezeichneter Umrissemit dünnen Lokalfarben. Eine Stimmungs- oder Tonmalerei kannte manzu jener Zeit in Aquarell noch nicht, und auch in der Oelmalerei begannsich ein Streben nach Tonwirkung erst unter den Münchener Genre-und Landschaftsmalern, welche von den Mitgliedern des CornelianischenKreises nach dem Beispiele ihres Meisters über die Achsel angesehenwurden, schüchtern zu regen. Auf Schwind übten diese Bestrebungenkeinen Einfluss. Auch in seinen Oelgemälden setzt er Lokalfarbe hartund bunt neben Lokalfarbe, ohne nach ausgleichenden Mitteltönen zusuchen *). In allen seinen Schöpfungen liegt der Hauptaccent auf derromantischen Erfindung, auf der Komposition, auf der rhythmischen Be-handlung der Umrisse und auf der Anmuth der Formengebung. Eineandere Beschränkung seines Könnens liegt in der Charakteristik. SeineKöpfe drücken zwar gewisse Empfindungen und seelische Regungen aus;aber die Einfachheit der aufgewendeten Mittel lässt in den EmpfindungenStärke und Tiefe vermissen. Das Dramatische und Tragische gelang ihmnicht und hätte auch zu der märchenhaft-phantastischen Grundstimmungseiner Kompositionen nicht gepasst. Aus diesen Gründen sind seineFiguren in monumentalem Maassstab im Ausdruck leer und in den Um-rissen oft steif und unbeholfen. Wo es sich um historische Motive handelte,trat noch die Realität des Kostüms hinzu, welche Schwinds freier Phan-tastik Unbequemlichkeiten verursachte, und überdies ging ihm die Fähig-keit ab, dramatisch bewegte Szenen übersichtlich anzuordnen und ener-gisch zu gliedern.
Von diesem Gesichtspunkte aus sind Schöpfungen wie die Fres-ken in der Kunsthalle und im Sitzungssaale der ersten Kammer inKarlsruhe, wo Schwind sich von 1839—1844 aufhielt, das grosse Oel-gemälde des Vaters Rhein (um dieselbe Zeit im Karton entstanden, abererst 1848 ausgeführt, jetzt in der Raczynskischen Sammlung in Berlin)und der »Sängerkrieg auf der Wartburg« zu beurtheilen, welchen Schwindfür das Städelsche Institut in Frankfurt am Main ausgeführt hat, wohiner im Frühjahr 1844 übergesiedelt war. Ganz in seinem Element zeigteer sich dagegen in einer Anzahl kleinerer Bilder, welche derselben Epocheangehören, vor allem in der köstlichen »Hochzeitsreise« in der GalerieSchack (um 1842), einem Tagebuchblatte aus der Geschichte seines jungenEheglücks, und dem »Falkensteiner Ritt« (1843), im städtischen Museum
*) Er selbst bezeichnet sein Kolorit als „das harmonische Nebeneinanderstellen derFarben innerhalb der accentuirten Konture.“