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2 (1894) Die deutsche Kunst : Abschnitt 1 ; 1795-1848
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dem Geben entschieden vorzog«, so stehen doch'diesen Schattenseitenseines Charakters auch glänzende Eigenschaften gegenüber; seine stolzeUnabhängigkeit gegen Höhergestellte und seine Aufrichtigkeit und Ueber-zeugungstreue »im Kampf für die Freiheit und gegen jede Art von Des-potismus.«

14. Moritz von Schwind.

Während Kaulbach die praktischen Konsequenzen der cornelianischenRichtung auf dem Gebiete der historischen Monumentalmalerei und zumTheil auch auf dem der Illustration zog und die Grenze aufrichtete, jen-seits welcher ein Fortschritt nicht mehr möglich war, pflückte Moritzvon Schwind die reifsten Früchte in dem ebenfalls von Cornelius ange-legten Garten der Romantik. Wenn M. v. Schwind auch kein eigent-licher Schüler des letzteren war, so hat er doch in der Zeit seines Wer-dens entscheidende Eindrücke von ihm erfahren und nannte sich stetsseinen dankbaren Schüler. Auch Schwind war einer von jenen Meistern,welche sich zum Ausdruck ihrer Gedanken der einfachsten Darstellungs-formen bedienten, aber trotz der Beschränkung ihrer äusseren Mittel auchim Kleinsten Strenge und Würde des Stils hochhielten. Aus Wiengebürtig, wo er am 21. Januar 1804 das Licht der Welt erblickte, brachteer zugleich neue Elemente, eine leichte, geistige Beweglichkeit, eine tiefe,musikalische Empfindung, einen unerschöpflichen Humor und eine frischeNaivetät, die sich auch in hohem Alter nicht verlor, in die spröde, nord-deutsche Kunst hinein und erwarb sich durch diese köstlichen Gabeneine Volksthümlichkeit, welche auf solideren Grundlagen erbaut und des-halb dauerhafter ist als diejenige Kaulbachs*).

Schwinds künstlerischer Entwicklungsgang war im Wesentlichender eines Autodidakten. Sein Talent brach sich von selbst zwischenden Schulstudien Bahn und wurde weniger durch künstlerische Vorbilderals durch musikalische und poetische Genüsse gefördert. Im Hause seinerMutter verkehrten Bauernfeld, Lenau, Anastasius Grün, die Brüdervon Spaun, Franz Schubert u. a. Letzterer war der Genius, der denmit romantischen Ideen erfüllten Kreis beherrschte. Der junge Moritzwar selbst ein leidenschaftlicher Musikfreund und ein tüchtiger Geiger,

*) Vgl. L. v. Führich, Moritz v. Schwind. Eine Lebensskizze, Leipzig 1S71. ■— A. W.Müller, Moritz von Schwind, Eisenach 1871. — H. Holland, M. von Schwind, Stuttgart 1873.— F. Pecht, Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts, Nördlingen 1877. I. S. 195 bis231. — O. Berggruen, Die Galerie Schack, Wien 1883. Mit Radirungen nach SchwindschenGemälden und Zeichnungen. •— Graf A. v. Schack, Meine Gemäldesammlung, Stuttgart 1881.S. 41—73-