Hßitßrßaftigfcit.
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2lm näcßften oerwanbt mit bem begriffe ber SBaßrßaftigfeit ift ber bei- 2Baßr =^eit§Iie&e, ja beibe SluSbrüde werben in ben meiftenfällen oewecßfelt werben tonnen,jffiaßrßeitsliebe ift Hinneigung bes ganzen ©emütS, bes SßißettS mit aßen feinen,aucß ben unbewußten, Seftimmungen gur Äußerung ber Sßaßrßeit, SBaßrßaftigfeit©genfdfjaft beS ©ßarafterS, bewußtes $eftßalten an ber Sßaßrßeit. SBaßrßeitSliebenbfann ber SJtenfcß aucß in bem Slugenblide fein, ba er ficß mit fd;werem H ei '5 en 3 Ueiner fogenannten Notlüge ßinreißen läßt, waßrßaftig ift er nicßt rneßr. Sagegenfann berjenige, weßßer beftänbig mit ber inneren 33erfudjung gur Süge gu fämpfenßat, fie aber überminbet, wol waßrßaftig, aber, ftreng genommen, nidjt waßrßeitS»liebenb genannt werben.
2ttteS, wa§ ber SBaßrßafte fagt, ift waßr, ber 21 ufrichtige fagt aßeS,„ wasmaßt ift (natürlid; foweit eS jebeSmal gur Sacße geßört), unb beßält nidßtS gurüd.Um baS leßtere ßanbelt eS ficß aßentßalben, wo wir oon Slufricßtigfeit fprecßen (auf»ricßtigeS ©eftänbnis, Steue, Sob, Sabel). 2Ber eine ©efd;id;te h, la SStüncßßaufenergäßlt, oerftößt gegen bie SBaßrßaftigfeit, aber unaufricßtig werben wir ißn nicßtnennen. SGBie untrennbar jebodj beibe ©igenfcßaften finb, erfennt man einerfeitS baran,baß jener Sltüncßßaufen fofort unaufricßtig wirb, fobalb er, wenn gegen feine @rgäß=lung ^weifet erhoben werben, bie iffiaßrßeit berfelben beteuert, anbererfeitS, wenn manbebenlt, baß baS SSerfcßweigen ober bemänteln ber SBaßrßeit fo gut wie bie aus»gefprocßene Unwaßrßeit geeignet ift, falfcße 23orfteßungen gu erweden (f. oben), baßalfo Slufricßtigfeit als ein ©rforberniS ber ooßfomtnenen SBaßrßaftigfeit gu be=trauten ift.
Dffenßeit oerßält ficß gur Slufricßtigfeit etwa wie Sßaßrßeitsliebe gur 3Baßr=ßaftigfeit, fie ift Steigung unb Siebe gur Slufricßtigfeit, überhaupt Steigung, jebe 23e=fiimmung beS Innern gu äußern, im ©egenfaß gur üßerfcßloffenßeit.
SaS bewußte Slbweicßen oon ber Sßaßrßeit, alfo ber gerabe ©egenfaß berSöaßrßaftigfeit ift bie Siige. Siefelbe wirb gur fjalfcßßeit, wenn fie falfdje ©r=Wartungen gu erregen, gur Heucßelei, wenn fie eine beffere ober bodj bei anberenfür beffer geltenbe ©efinnung als ber Urßeber wirflicß ßegt, an ben Sag gu legenBegroedt. 23eibe, $alfd;ßeit unb Heudßelei, werben natiirlicß oft gttfammenfaßen, beibeficß oft in einer Steiße oon Sügen äußern, bie ebenfowol in Hfmkhmcjat als inSorten befteßen fömten. gdlfbßßeit finbet im gefeßigen SSerfeßr, H cu ^ e ^ e i auc Ü nu freligiöfem ©ebiet weiten «Spielraum.
Saß -JBaßrßaftigfeit ißflidjt ift, bebarf feines 23eweifeS. Sßie aße ©rfenntniSbeS SJtenfcßen fofort gufammenfäßt, wenn baS principium identitatis et contra-dictionis nicßt meßr gilt, fo ift feine ©ittlicßfeit möglicß, wo Sßaßrßaftigfeit nicßt als^ßflidßt angefeßen wirb. SSaßrßeit ift baS Sanb beS gefeßigen SebenS, unb berfittlidße ÜSerfeßr ber SJtenfdßen unter einanber berußt auf ißr. 2ßer bem Stäcßften bieSßaßrßeit oorentßält, oerweigert ißm bie Hilfe cm bem gemeinfamen SSerfe unb bietetißm einen Stein ftatt beS SSroteS. Sarum fcßreibi ißauluS (©pß. 4, 25): Seget bieSügen ab unb rebet bie SBaßrßeit, ein jeglicßer mit feinem Stäcßften, fintemal wirunter einanber ©lieber finb. Siefe ßoße Sebeutung ber SBaßrßaftigfeit unbbie SSerwerflidßfeit ber Süge ift benn aud; gu aßen 3 e ^ en anerfannt unb in ungäß»tigen 2luSfprüd;en ber heften niebergelegt, fei eS mit ber naturwücßfigen ©infacßßeitbeS SldßißeS (gl. 9, 312): „iyßgbg y«g fioi y.uvog o/Mjjg yttSao ntihpiv, bg ytxiQov f.dv y.tvdrj hl qotalv, äXXo <)t etnrj ober ben oerftänbigen SBorten beSStenanber (bei Stob XI, S. 136, ©eSner): „del ypär/arh tan rähjdrj Xtyuv hmvü xa;gw,“ ober mit bem ßeiligen ©ifer beS ißropßeten (f)ef. 5, 20): „SBeßebenen, bie SßöfeS gut unb ©uteS böfe ßeißen, bie aus gunfterniS Sidßt unb aus Sid;t8'nfterniS madßen," ober enblicß oon SßriftuS felbft (©o. ^oß. 8, 44): „©r (berTeufel) ift ein Sügner unb ein 23ater berfelben." ©oetßeS ^pßigenie ift nidßt bloßWag. 6nct)tto))abic. X. 2. Stuft. 14