Druckschrift 
10 (1887) Vokabellernen - Zwingli
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198 Sßogitcr.

ridjtsplan ju einem Sudfje auSguarbeiten. ©o entftanb baS fcfjon 1819 (ogl. SßagnerSReligion, SBiffenfdjaft, ßunft unb ©taat, ©rlangen 1819. Peue roolf. 2Iu§g.111m 1851, ©. 287) angefünbigte ©pftem beS Unterrichte.

SEenn man biefeS ©pftem nun näher betrachtet, finbet man auch Ui ber äußernForm einen bebeutenben Unterfchieb uon ber pijilofophie ^ er ©tgieljungSfunft. SDicfeift in einem leichten, frifdjen unb freien SEon gefchrieben, bie bem beS 33rieff±ielg naf)efommt, jenes ift ftreng gegliebert, in ber Setrabe: üßutterfdjule, ©lementarfdjule,ÄenntniSfdjule unb SBiffenfd^aftsfchule (Unioerfität) begriffen, unb biefe oier großenKapitel gerfaßen in fnappe Paragraphen, roie ein Seitfaben gu einer Porlefung, mitAusnahme ber ©inleitung, welche ben ©runb fo feinfüfjlenb unb objeftio unb un=mittelbar ergreifenb legt, bah man eigentlich bebauem muh, nicht in biefer SEBeifefortlefen gu bürfen. ©ewijj märe baS ©ange wirffamer geworben unb minber beeimfluht non bem Formalismus unb ©djematiSmuS beS ©pftemS. 2BäI)renb einerfeitsnämlich PerftänbniS für bie Patur beS $inbeS, beS Knaben unb beS SORäbchenSals ein berounbernSmürbigeS ßlefultat ber geiftigen Äraft unb ©rfenntnisfüße beS 93er=fafferS umfomehr erfcheint, als ihm felbft in einer gang unoergleichlidj glüd'lidjen ©[jemit ber ihn fo gang nerftehenben 3>ugenbgeliebten baS ©lücf oerfagt mar, eigene Minbergu befitjen, fo fann man aßerbingS im Verfolge ber Paragraphen häufig erfennen,bah er praltifch, non jenem uerunglüd'ten Plane an, ©rgieljer eines noch nicht groei=jährigen pfjilofophenfinbeS gu inerben, niemals felbft Äinber ober Knaben unterrichtethat, unb eben nur als UnioerfüätSprofeffor ber pijilofophie tf;ätig geroefen ift; roaSauch mit baran fdjulb fein mag, bah baS Ie|te Kapitel beS ©pftemS roeit über bie|)älfte beS ©angen einnimmt.

®ie ©rgieljung unb ber Unterricht gehen einanber paraßel unb beginnen auch gu=gleich- el 'f* e ®djule ift bie SRutterf d;ule, benn bie fölutter ift bie erfte Perfonbei bem $inbe, ihre Siebe fühlt eS, unb biefe fßiutterliebe führt auch ben Pater beibem $inbe ein, welcher beS ©efetjeS ©rnft oertritt. ®enn inenn auch öer ®oter, nonber Paterfreube beraufcht, feinem Äinbe gleichfalls guerft nur Siebe entgegenbringt,fiefjt unb fühlt baS $inb bodh baS männliche 31ntli| unb hört bie männliche ©timme,eS roirb non ber männlichen Prüft nicht gefäugt. ®er ©egenfat} gwifdjen Pater unb

50Rutter roirb fdjon bem Ifinbe fühlbar, bie Siebe als 9Jiutter, bcrS ©efe| als Pater.

Für bie ©efd;Ied)ter ergiebt fich roeiterhin ber Unterfchieb, bah öei bem roeiblichenÜinbe baS ©efet* erft non ber Ptutter in liebeooße ©itte überfetjt ©ingang unb Pobenfinbet, bie SÖlutter alfo ginifdfien Tochter unb Pater bie natürliche ©olmetfdjerin bleibt,bagegen ber föiabe fidh baS mütterlid;e ©ebot burd; beS Paters Slnfeljen bekräftigen

Iaht. Süarum ift nie eine fDiutter auf bie Sänge einem rechten Knaben geinadjfen;

unb ein Pater, ber eine mutterlofe SEodjter gu ergieljen hat, roirb fich, wenn er f enid;t oergärtelt, feljr oft non ihr unoerftanben fef;en unb mit blinbcm ©eljorfam ie-gniigen müffen, ben aber bie Siebe ber ÜEocfjter erleichtert unb gur freubigen 3tefig=nation macht. ®ie 9Jtutter ift eS, raeldjer bie erften Saute gelten, fie leljrt baS fiinblaßen unb fpredjen. Unb fobalb bem $inbe bie ©prache ber fßiutter fo oerftänblid)ift, bah eS in finblid;er Sßeife antworten fann, fann fie il;m iljre Siebe unb beSPaters 2lnfel)en auch auSfpredjen, unb fie tljut eS. ®abei nehme fte (Gelegenheit, ihmgu oerftefien gu geben, bah etroaS UnfidjtbarcS fei, beffen Siebe wir aße geniefjen unbbeffen 2lnfehen wir fürchten, ©ie lehre baS Äinb ein SBefen unbeftimmt ahnen, ba§ihm wie Pater unb SJlutter fei unb hoch über Pater unb -ßiutter noch ftcl)e. Unbwenn baS ®inb fragt, wo biefeS liebenb ernfte Sßefen fei, foß fie nur getroft fagen:im Fimmel. 2lud) bie ^bee beS SlnfdjauungSunterridjtS fmi SEagner bereits; er ncnlegt benfelben mit gutem ©runb in bie 3Rutterfd;ule, welche baS Äinb bis gum niertcnober fünften 2>a£)re hält, unb gwar finb feine ©ebanfen, nielleicht burd; bie SBedjfeöwirfung mit jenem branen fperrn 3lonbu, fichtbar non peftaloggi beeinflujjt. ® a -Äinb lernt, noch & eoor ^ en wichtigen ©d^ritt tljut, i ch gu fagen, eine SOfenge ®ingf