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9 (1887) Spanien - Vives
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Vives.

auf den Versuch, die Zuneigung der Schüler zu gewinnen und ihnen eine möglichsthohe Meinung von der Anstalt und ihren Zwecken beizubringen. 2) Seltenheit undkluge psychologische Berechnung von Tadel und Strafen (von den Jesuiten nochberechnet dahin erweitert, daß körperliche Züchtigung, wenn sie notwendig schien, nicht vonOrdensgliedern vollzogen wurde). 3) Sorge für leibliches Gedeihen und freigebige Ge-stattung von Erholungsstunden mit manigfachen Spielen und Leibesübungen.4) Die durchgängige Behandlung des Lateinischen als einer zwar möglichst rein ge-haltenen, aber dabei den neueren Bedürfnissen angepaßten Gelehrtensprache (dagegen lagfreilich den Jesuiten die starke Berücksichtigung der Muttersprache bei Vives sehrfern!). 5) Die Weckung des Ehrgeizes, welche Vives nur ausnahmsweise für kleinere

Knaben zuließ, um mit diesem wirksamen Mittel die ersten Schwierigkeiten des Latein-redens zu überwinden, wird von den Jesuiten zu einem durchgehenden Mittel ihrerDidaktik erhoben. 6) Die Beschränkung auf wenige Fächer (Latein und Griechisch,nebst der an die Schriftsteller anzuknüpfenden Sachkenntnis) läßt sich auch auf Viveszurückführen, der freilich für die weiter Studierenden später statt der jesuitischen Theologieeine Fülle von gediegenen Realstudien fordert. Dabei ist freilich dieErudition" derJesuiten nur ein Zerrbild des sachlichen Unterrichtes, den Vives vomGrammatiker"fordert. 7) Die Wahl der Lese- und Übungsstücke mit Beziehung auf den Inhalt,der teils moralisch bildend, teils aber auch zur Unterbrechung der Einförmigkeitder Elemente unterhaltend sein soll. Das Verzeichnis übereinstimmender Punkteließe sich leicht noch erheblich vermehren; so ist z. B. auch die Aufgabe mäßiger,leicht zu bewältigender Pensa, die Forderung gründlicher Einübung der Elemente zurErziehung leichter Reproduktion, die sorgsame Pflege des Gedächtnisses hierher zuzählen. Es genügt jedoch an dem Erwähnten, um zu zeigen, daß die Jesuiten ohneZweifel gerade dasjenige, was ihren Schulen den Vorzug vor anderen zu geben schienund womit sie das Publikum zu gewinnen wußten, größtenteils von Vives entnommenhaben. Daß dabei gleichwol der ganze Geist ihrer Pädagogik ein durchaus verschiedener,ja entgegengesetzter war, geht schon aus dem einen Hauptpunkte hervor, daß gerade derGeist der von Vives angestrebten religiös sittlichen Reform der Gesellschaft durch dieJesuiten gerade in sein Gegenteil verkehrt wurde. Denn während Vives seine Akademiedazu bestimmte, den Geist der Herrschsucht, Anbetung äußerer Macht, Streitsucht undEhrgeiz gründlich auszurotten und dadurch ohne Kampf und Umwälzung eine freiereGestalt der Gesellschaft herbeizuführen, gierigen die Jesuiten durchaus auf das Gegenteilaus: die Schule sollte ihrem auf weltliche Zwecke gerichteten Ehrgeiz dienen, auf dieweltlichen Leidenschaften der Reichen und Großen suchten sie sich zu stützen und gerade dieAbfindung init jenen Grundübeln, welche Vives ausrotten wollte, wurde das Charakteri-stische ihrer verlogenen und unsittlichen Moral. Hieraus ergiebt sich alles andere.

Die Jesuiten waren natürlich auch weit davon entfernt, sich auf Vives zu berufen;denn abgesehen davon, daß sie darauf hielten, alle Einrichtungen ihres Schulwesens alsoriginale Schöpfungen des Ordens darzustellen, waren sie auch erbitterte Feinde der vonVives eingeschlagenen theologischen Richtung. Sie wirkten der Verbreitung seinerSchriften mit allen Mitteln entgegen und sie waren es auch, welche den Kommentarzum h. Augustinus auf den Index brachten. Gleichwol haben wir auch positive Spurenvon der Art, wie Vives in jenen Kreisen benutzt wurde. So z. B. in den iustitutionessobolustioao von Simon Verripäus (Antwerpen 1573), einem Manne, der zwar nichtselbst Jesuit, aber eifriger Freund und Förderer der Schulen nach jesuitischem Musterist. Hier finden sich zahlreiche Stellen, teils mit, teils ohne Verweisung, welche wörtlichoder nahezu wörtlich aus Vives entlehnt sind, und der ganze Geist dieserwstitutionesLLboIastiLNö" hält noch eine gewisse Mitte zwischen Vives und den Jesuiten.

Von den hervorragenden deutschen Schulmännern des 16. Jahrhunderts sindMichael Neander und Hieronymus Wolf nachweisbar Kenner und Verehrer vonVives' Schriften. Beide waren zum Glück durch besseren Geschmack und durch die ganze