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9 (1887) Spanien - Vives
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829
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Vives.

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Er soll niemals drohen, wenn es nicht nötig ist; auf die Drohung aber sollen Schlägefolgen, wenn der Knabe nicht gehorcht. Der Schimpfworte soll er sich enthalten, aberdie Knaben so gewöhnen, daß sie seine Drohungen und seinen Tadel nicht verachten.Mit Strafen soll er sparsam sein und die rechte Gelegenheit, welche allen Dingen Wertund Wirkung giebt, wahrnehmen. Die größeren Knaben sollen seltener Schläge erhalten,aber doch noch bisweilen. In der Regel aber sollen sie durch Ehrfurcht vor demLehrer und vor den würdigen Mitgliedern der Akademie, die gleichsam als Zeugenzugegen sind, in Ordnung gehalten werden; endlich auch durch den Gedanken an ihreEltern und Verwandte. Man soll den Schülern eine lebhafte Vorstellung bei-bringen von dem hohen und dauernden Genuß, mit welchem das wissenschaftliche Studiumverbunden ist. Die moralische Belehrung soll so gegeben werden, daß sie nicht äußerlich,wie eine Erzählung, ausgenommen wird, sondern wie eine heilsame Nahrung der Seele,die verdaut und zu Fleisch und Blut gemacht werden soll. Auch soll man die Schülerhäufig an das Gericht Gottes und au die Nähe des Todes erinnern. Gegen die derJugenv besonders anhängenden Fehler soll der Lehrer gewisse kurze und wirksame Sprüchestets in Bereitschaft halten, welche zum Haß oder zur Verachtung des Lasters anleiten.

Zuletzt werden die Erholungen besprochen, welche den Knaben zu gestatten sind.Hier verfährt Vives sehr liberal. Er verlangt häufige Leibesübungen, welche demKnabenalter zum Gedeihen erforderlich seien. Dabei soll man die Schüler nicht zu sehrzur Arbeit drängen, damit sie keinen Haß gegen die Studien fassen.Der menschlicheGeist ist von einer merkwürdigen Freiheitsliebe; er läßt sich Anstrengungen auferlegen,aber er läßt sich nicht zwingen; du kannst ihn mit Leichtigkeit zu vielem bestimmen, abernur weniges und mit schlechtein Erfolg von ihm erzwingen." (Wras libortatis estbuinanum ingouium, oxeroori patitur, eogi non patitur: inulta ab eo kaeils im-petroo, xauoa st inkolioitsr extorgusas.") Die Spiele, unter denen Vives vorzüglichBallspiel und Lausen empfiehlt, sollen zugleich dem Körper zur Stärkung und dem Geistzur Erholung dienen. Der Zweck jeder Pflege der Gesundheit ist aber die Gesundheitdes Geistes nach dem Spruch mons sana in oorxoro sano. Beim Spiel sollendie Knaben Latein reden, was sie mit Leichtigkeit thun werden, wenn der Lehrer ihnenfür alles, was im Spiele vorkommt, gute lateinische Ausdrücke giebt. Bei Regenwettersollen die Knaben in bedeckten Hallen und Vorplätzen spielen können. Übrigens wird nebenden Bewegungsspielen für diejenigen, welche nicht daran teilnehinen dürfen oder inögen,auch Kartenspiel und Schach gestattet; besonders aber wird ihnen die Unterhaltung mitErzählungen empfohlen.

Die ganze zweite Hälfte dieses Buches füllt sodann eine Abhandlung Uber dieSchriftsteller, aus welchen die grammatische Bildung zu schöpfen ist. Hier handeltes sich durchaus nicht etwa um Angabe weniger Hauptwerke, welche dem Schulunterrichtzu Grunde zu legen sind, sondern Vives faßt das Bedürfnis des Lehrers im weitestenSinne ins Auge und giebt nach einer allgemeinen Einleitung eine kurze kritische Übersichtüber die gesamte alte und neuere lateinische Litteratur mit Bemerkungen über den Wertder Schriftsteller, sowol für den Schüler, als auch überhaupt. Neben der lateinischenLitteratur findet auch die griechische Berücksichtigung, jedoch nicht mit der gleichen litterar-historischen Vollständigkeit. Dabei ist die Blasse dessen, was ausdrücklich als Lesestoff fürden Schüler bezeichnet wird, so groß, daß auch wol für die damalige Zeit an eine voll-ständige Durchführung dieses Planes kaum zu denken war. Im einzelnen finden sich hierzahlreiche scharfsinnige und treffende Bemerkungen neben den bekannten Einseitigkeiten,namentlich in der Beurteilung der Dichter. Anstößige Stellen null Vives aus den fürdie Schüler bestimmten Texten einfach entfernt haben: ein Grundsatz, welchen er ein-gehend gegenüber allen anderen Versuchen, das Schädliche solcher Stellen zu vermeiden,verteidigt. Im übrigen ist es hier bei der großen Kürze der Darstellung nicht wolmöglich, noch einen Auszug zu geben, daher wir zum folgenden Buche übergehen.