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Vaterlandsliebe.
lichen, durch bestimmte geschichtliche Faktoren entwickelten Leben des Volkes, dem er an-gehört, die starken Wurzeln seiner Kraft hat. (Das Zusammenwirken des deutschen undchristlichen Geistes, wie es insbesondere in der Zeit der Befreiungskriege sich mächtigerwiesen hat, ist dargestellt in W. Baurs Geschichts- und Lebensbildern. 4. Ausl.Hamburg 1886.)
Als ein Unterrichtsgegenstand, durch dessen zweckmäßige Behandlung dieVaterlandsliebe der Schüler befördert werden kann, bietet dann vor allem die Mutter-sprache sich dar. Sie ist der unmittelbarste, vielseitigste und bestimmteste und alsoprägnanteste Ausdruck der Volkstümlichkeit, und ihre richtige Behandlung und Pflegewirkt am unmittelbarsten und förderlichsten, wenn nicht geradezu auf Erweckung patrioti-tischer Gesinnung, doch auf Erweckung und Nährung nationalen Sinnes zurück. Damitnun die Muttersprache wirklich jenes bleibe und dieses leiste, ist in erster Linie nötig,daß sie vor einem ihr eigentümliches Wesen und Leben beeinträchti-genden Einflüsse fremder Elemente bewahrt werde. Die größte Ver-sündigung gegen das gute Recht der Muttersprache und des zugleich mit ihr sich in demKinde entwickelnden nationalen Sinnes wird dadurch begangen, daß man, wie es bei derGouvernanten- und Bonnenerziehnng vornehmer oder vornehm thuender Familien leidernoch häufig der Fall ist, das Kind von Anfang an neben der Muttersprache noch einefremde erlernen läßt. Es wird dadurch nicht allein die Reinheit, Richtigkeit und Sicher-heit des sprachlichen Ausdruckes, sondern auch, da das Kind nicht jeden seiner Begriffemit einem bestimmten Wort ausdrücken lernt, die Klarheit und Sicherheit des Denkensgefährdet, abgesehen davon, daß der fremde Eindringling es dem Kinde unmöglich macht,die so sinnige und die eigentliche Poesie der Sprache enthaltende unbewußte Bildlichkeitund Symbolik, den sinnlichen Hintergrund der Muttersprache ahnend zu erfassen und darinheimisch zu werden. „Keine Duplicität, sagt Schleiermacher (Erziehungslehre S. 654 f.),wenn es auch besser scheint, fremde Sprachen ex usu zu lernen.-Eine wird zu-
rückstehen, und da das Verfahren von der Vorliebe für eine fremde Sprache ausgeht, sosteht die Muttersprache zurück; fremder Accent, Mangel an Geläufigkeit, vielleicht garnicht ursprüngliches Denken darin; letzteres Nationalverrat. Das ganze Wissendes Kindes muß dadurch oberflächlich werden, weil es kein festes System von Begriffenbekommt." Ja man darf hinzusetzen: durch die sprachliche Doppelzüngigkeit wird auchleicht eine sittliche Doppelzüngigkeit befördert. Ein jeder Unterricht in einer fremdenSprache, welcher früher beginnt, als der Zögling im Verständnis und Gebrauch derMuttersprache eine gewisse Sicherheit erlangt hat, ist ein Verrat an der Sprache und ander Nationalität des Zöglings. Auch die Verunreinigung durch Fremdwörter von derMuttersprache möglichst ferne zu halten, ist eine patriotische Pflicht. Das Bestreben, sichstets in Worten auszudrücken, welche auf dem heimischen Boden gewachsen sind, nötigtzu eigentümlichem und klarem Denken, während verwaschene und unklare Begriffe zueinem Fremdworte sehr häufig als zu einer Maske greifen. Dagegen hat die zur fest-stehenden wissenschaftlichen, insbesondere grammatischen Terminologie gehörenden Fremd-wörter selbst ein so guter Deutscher wie I. Grimm gegen die Verfolgung von seiten einesrücksichtslosen Radikalismus in der Sprachreinigung in Schutz genommen. „Jede Über-setzung und Nachahmung wird lächerlich, wenigstens unverständlich, weil wir uns bei demneuen Wort notwendig seiner eigentlichen sinnlichen Bedeutung erinnern: in diesem Lichtsind mir Zeugfall für Genitiv, Gebfall für Dativ und alle ähnlichen Verdeutschungenbeständig vorgekoinmen. Die Abstraktion, folglich der wahre Begriff geht dabei jedesmalverloren." Und PH. Wackernagel setzt hinzu: „Daß die lateinischen Ausdrücke den Kin-dern unverständlich sind, ist gerade ihr Vorzug. Hätten wir unverständliche deutsche, sowäre es freilich noch besser. Aber eben, daß die deutschen zu verständlich sind, das machtsie unbrauchbar. Sie bezeichnen ein Merkmal, oft gar nicht das wesentlichste, und sinddie Ursache unsäglicher Oberflächlichkeit und Verwirrung." Es ist an sich sehr erfreulich,daß im 17. Jahrhundert, in welchem die deutsche Sprache durch ehr- und geschmacklose