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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

vielmehr durch jenen Krystallisationsprozeß entstanden, vermöge dessen die wachsende An-ziehungskraft der stets mächtiger werdenden Roma nähere und fernere Länder und Völkermit sich vereinigt hat; und darum tritt im römischen Patriotismus die Anhänglichkeitan Land und Volk hinter der Achtung und Liebe und dem Gehorsam des Bürgers gegenden staatlichen Organismus, gegen die ras publica, wol auch geradezu gegen den sovollkommen ausgebildeten Rechtsformalismus zurück, welcher die disparaten Glieder desungeheuren Reiches umfaßt hielt. In diesem Sinne sagt Cicero: (Vs oktlc. I. 17):Omnium socistatuin uulla 68t gravior, nulla, earior, guam ca guas cum re-xubliea sst uuieuigus nostrum. Oari sunt parsntss, cari libsri, propingui,lamiliarss; sock omnss omnium earitatss patria. una eomxlsxa sst: pro gua guisbonus äubitst mortsm oppstsrs, si ei sit proluturus?" Und ferner: (Os orat. III.43):chuo amors tanllsm inüammati ssss cksbsmus in eins moäi xatriam, guasuna. in Omnibus tsrris äomus sst virtutis, impsrii, äignitatis? suiusprimum nobis msns, mos, clisciplina notu ssss äsbst, vsl guiu sst patria, parensomnium nostrum, vsl guia tanta sapisntia, in iurs eonstitusncko putanäasst, guauta kuit in bis tantis opibus impsrii comparanäis." Wie hätte auch einespezifische Anhänglichkeit an Land und Volk des alle Länder und Völker umfassendenOrbis entstehen sollen! Wol hat Ovid für den geheimnisvollen Zug, welcher das Herzmit dem heimatlichen Boden verbindet, den schönen Ausdruck gefunden (Lx Oonto, I, 2,35 f.):blsscio gurr nrrtrrls solum äulssäins eunetos Oueit, st immsmorss nonsinit 6886 sui." Aber was der Verbannte dabei empfand, das war doch wesentlich dieSehnsucht nach der Anregung, der Unterhaltung und dein Komfort des in geselliger wiein politischer Beziehung tonangebenden Lebens der Hauptstadt, welches dein Römer so sehrzur anderen Natur geworden war, daß er, ferne davon, ebensowenig wie der Pariser,oder auch wie der Berliner, der Wiener, der Hamburger, auf die Dauer sich wol undbehaglich fühlen konnte. Die Stadt Rom ist die patria, nach welcher Livius (V. 54)den Camillus seine Sehnsucht aussprechen läßt in den Worten:(juotisscumgus patriain msntsm vsnirst, dass omnia, occurrsbaut, eollss, eampigus, st Oibsris st assuetaooulis regio, st bos soslum, sub guo natus sckucatusgus ssssm"; und um denselbenGegenstand der Vaterlandsliebe handelt es sich bei Ciceros Ausspruch (Tusc. V, 37):8iu abssss patria missrum sst, xlsuas missrorum provineias sunt, sx guibus-moäum xauci in patriam rsvsrtuntur." Auch wenn er (Os logg. II. 2, 5) eindoppeltes Vaterland unterscheidet, unam naturas, altsram civitatis, oder: altsram looi,altsram juris, so bezieht sich diese Unterscheidung nur auf Geburtsort und Wohnort,nicht etwa auf das Geburtsland im Gegensatz zu dem, in dessen staatliche und rechtlicheGemeinschaft man eingetreten ist. Die Griechen dagegen wußten sich bei aller innerenGeteiltheit ihres Volkes in verschiedene Stämme doch durch gemeinsame Abstammung vonvorneherein untereinander verbunden und von den Nichtgriechen bestimmt unterschieden.Sie hatten in Griechenland den Boden gefunden, welcher wie kein anderer geeignet war,die reiche Anlage des Volkes auf das vielseitigste und kräftigste entwickeln zu helfen (vgl.den Art.Geschichte der Pädagogik" V, S. VI5). Sie wußten, daß ihre Religion, ihrStaatsleben und ihre Sitte, ihre Wissenschaft und Kunst, alle die geistigen und ethischenVorzüge, durch welche sie den Barbaren sich überlegen und zur Herrschaft über sie be-rufen fühlten Ilurip. Ipb. Itul. 1379), zugleich

mit jenem Lande verwachsen waren. Und darum ist im griechischen Patriotismus mitder sittlichen Hingebung an die Ordnung des Staates auch die natürliche Anhänglichkeitan den vaterländischen Boden und an die Volksgenossen verbunden. Schon Homer zeugtimmer wider von dieser Treue gegen den geliebten Boden des Vaterlandes: Odysseussehnt sich in verzehrendem Verlangen, nur den Rauch der Heimat wider einmal empor-steigen zu sehen (Odyss. I. 57 ff.; vgl. V. 83, 15l), und Agamemnon vergießt Freuden-thränen, da sein Fuß den vaterländischen Boden wider berührt. Wol hatten die Dorieretwas von der römischen Neigung an sich, die Idee des Staates von ihrer realen Natur-