Tiirk.
523
l
eichterung verschafft; so ward ihm zuletzt fast gar nichts mehr „zugeschrieben" und ihmder damalige Seminardirektor Striez zum Gehilfen gegeben. Mit diesem harmonierte eraber nicht sonderlich. Dadurch erklärte es sich, daß er bei voller Geistes- und Leibes-frische in einem Alter von 59 Jahren freiwillig in den Ruhestand trat, um sich ungestörtund unabhängig der Pflege seiner Stiftungen zu überlassen*).
Indes ist doch seine amtliche Wirksamkeit nicht gering anzuschlagen. „Fragen Sie,ob er teil habe an der Erneuerung unseres Bolksgeistes, so kann ich nach meiner Über-zeugung mit einem entschiedenen Ja darauf antworten" — so schreibt mir ein hoch-betagter und hochverdienter preußischer Schulmann, der Türk in dem ersten Jahrzehntseiner Amtsthätigkeit in Potsdam nahe gestanden hat, auf meine Frage. Er hat Schul-lehrer und Geistliche regelmäßig unterrichtet, Schulen verbessert, andere neue gegründet,Gemeinden dafür gewonnen, sich der Jugend anzunehmen. Er selbst schreibt darüber inErwiderung auf ein an ihn ergangenes Dankschreiben: „Eine neue, schönere Welt ist miraufgegangen, und ick bin, was gewiß wenige mit Wahrheit sagen können, vollkommenglücklich. Wohin sich meine Schritte lenken, stets ist es mir vergönnt, Gutes zu wirken.Fahre ich in eine Stadt, sehe ich die muntere Jugend auf den Straßen spielen oder derStraße zueilen, so kann und darf ich mir sagen: Auch ich habe redlich beigetragen, daßdiese Jugend jetzt glücklicher ist, daß ihr Geist und Gemüt besser ausgebildet wird, daßsie reifer werden für das himmlische Reich." Von den größeren Lehranstalten, welcheunter Türks Mitarbeit errichtet worden sind, nenne ich besonders das Seminar zuPotsdam, welches jetzt nach Cöpenick verlegt ist, und die städtische höhere Gewerbeschulein Berlin, deren erster Direktor von Klöden, bis dahin Seminardirektor in Potsdam,wurde.
Bedeutender aber ist die außerordentliche Wirksamkeit Türks. Über diese erhaltenwir ven ausgiebigsten Aufschluß in einein Zirkular, welches er mit eigener Namens-unterschrist als 67jähriger Mann ain 8. Januar 1841 an „seine Gönner und Freunde"erließ, indem er ihnen die Entwickelung und das Fortkommen seiner lieben Pflege-kinder in der Welt ans Herz legte.
„Das erste Kind erblickte das Licht der Welt im Jahre 1816 den 4. Juni"; esist die Schullehrerwitwenkasse zu Sorau. Nach ihrem Muster wurde 1817 die Schul-lehrerwitwenkasse für den Frankfurter, zwei Jahre später die für den Potsdamer Re-gierungsbezirk eingerichtet. Zu der ersteren gab Türk, dessen Opferwilligkeit — nach denWorten meines Gewährsmannes — „grenzenlos" war, das Honorar für sein Rechenbuchals Stammkapital. Das zweite Pflegekind ist die Schwimmanstalt zu Potsdam,
*) Regierungsrat von Türk war dem König Friedrich Wilhelm III- als ein arger Demagogverdächtigt worden. Bischof Eylert erzählt darüber (Charakterzllge aus dem Leben des KönigsFr. W. Th. II. Abth. 2, S. 352 f.) folgende«: „Weil von Türk ans angeborener und grund-sätzlicher Liebe am liebsten im Volke lebte und für dasselbe wirkte, teils durch seine Schriften,teils durch sein Amt, das ihm innerer Berus war, und da wenige Menschen es fassen und be-greifen, wie man das könne ohne Eigennutz, ohne Entschädigung für die Opfer, die man anKraft, Vermögen und Zeit dabei bringt, so war dies genug, den Herrn von Türk zu einemgefährlichen Demagogen zu stempeln und, daß er es sei, dem Könige selbst durch Znlispelungenin die Ohren beizubringen. Er sagt nun, wie er dies durch den Obersten von Witzleben er-fahren habe und schnell entschlossen mit diesem zum König gegangen sei, um der Verleumdungentgegenzutreten. „Der König hörte mich ruhig an," fährt er fort, „und nachdem ich dieDenkungsart, die Gesinnung, den Charakter und das gemeinnützliche Wirken des von Türk ge-schildert hatte, setzte ich hinzu: Er ist kein Volksversührer, er ist ein christlicher Volksfreund; Gottgebe Ew. Majestät recht viele solcher treuen Diener und Unterthanen! Der König sah mich wol-gesällig an und sagte: Nun, so ist es mir lieb, mein Urteil zu berichtigen und von dem aller-dings angeklagten Mann wider eine vorteilhafte Meinung zu haben. Am nächsten Ordensfesteerhielt von Türk den roten Adlerorden. Der König interessierte sich unmittelbar für das Civil-waisenhaus in Potsdam und die wolthätige Anstalt zu Glienicke, stiftete mehrere Freistellen,beschenkte die Waisenknaben, redete bei jeder Gelegenheit freundlich mit H. von Türk, bewilligte>hm, als er sein Amt niederlegte, sein ganzes Gehalt als Pension." Die Red.