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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Spiel.

liebreiche Vorstellung der Ursachen, warum dieses oder jenes besser sei zu Überzeugungder Herzen und daß die Liebe zum Guten recht in dieselbe gepflanzt würde. Wie ichExempel weiß, daß junge Leute, so unter der strengen Disciplin, als lange sie bei denEltern gewesen, gehalten und von den meisten auch erlaubten Ergetzungen wider Willenzurückgerissen worden'sind, wenn sie nachmals in die Freiheit geraten und der verdrieß-lichen Aufseher los worden, alsdann in ungleich unbändigeres und dissoluteres Leben ge-raten sind, als andere, welchen eine ziemliche Freiheit von Jugend auf gelassen worden..... Es kann durch solche Strenge der vigor ingeniorum und die Freudigkeit desGemüts ganz niedergeschlagen werden. Die stattlichsten Ingenia, deren sich Gott manch-mal in seinem Reich und zu vielem Guten gebraucht, haben Hitz und Feuer, daherstete Unruh in sich, weswegen sie gewöhnlich, was von der Erbsünde herkommt, die allesverderbet, auch am mutwilligsten sind. Was aber solche sind, die von kleinsten Kindes-beinen an fromm heißen und aber ihre Frömmigkeit meistens in einer Stilligkeit undTrägheit besteht, daß sie aus einem natürlichen Unvermögen weder zum Guten noch zumBösen starken Trieb haben: aus denen wird ihr Lebtag selten etwas Rechtschaffenes, undwie Gott nicht viel in sie gelegt, so sind sie gemeiniglich auch zu nicht viel bestimmt.Hiermit will ich nicht, daß deswegen jenen feurigen Köpfen ihr Mutwille gestattet werdensolle; man soll ihm steuern, aber so, daß das Feuer nicht ausgelöscht, sondern in Ord-nung gebracht werde, wo es zu Nutzen und nicht zuin Schaden brenne .... Es gicbtLeute, bei denen eine solche Morosität gleich in der Jugend entsteht, so sie auf ihr Lebtagzu den meisten Verrichtungen untüchtig macht. Denn wo man die Sitten und Gemüts-art, wie sie bei den Alten ist, in den noch jungen Jahren von den Kindern erfordert, soerfordert man etwas, das der Natur und der göttlichen Ordnung nicht gemäß ist, indemwir vielmehr göttlichem Finger auch in dieser natürlichen Ordnung zu folgen und zuzu-lassen haben, daß eine andere Gemütsbeschaffenheit der Jungen, eine andere der Altensei, nur daß das Christentum in beiden die Regentin bleibe und der Bosheit wehre."Da haben wir denn bei Spener schon lange vor Rousseau den Grundsatz der Natur-gemäßheit; welcher von beiden einen richtigeren Begriff des Natürlichen gehabt, ist nichtschwer zu entscheiden. Palmer.

Spiel. Um das Wesen des Spiels begrifflich zu bestimmen, ist vor allem zu be-achten, daß es Thätigkeit und zwar Selbstthätigkeit ist. Durch dieses Gattungsmerkmal,welches ihm mit ver Arbeit gemein ist, unterscheidet es sich von vornherein nicht nur vondem sinnlichen und passiven Genuß, sondern auch von jeder rein ausnehmenden Thätigkeit,von der Unterhaltung, welche das bloße Anschauen und Anhören auch geistiger Objektegewähren kann. Ebenso ist es der Ruhe als solcher entgegengesetzt. Denn obschon eszur Erholung dienen kann und in dieser Absicht häufig von Erwachsenen (nicht leicht vonKindern) gesucht wird, so bringt es doch nur verhältnismäßig Ruhe, indem an die Stelleder einen Thätigkeit eine andere tritt, und es kommt vor, daß Kinder selbst von einemSpiel sich erholen müssen. Der gänzlich Erschöpfte greift nicht zum Spiel, er bedarfdes Schlafes; der Träge, der die Selbstthätigkeit überhaupt scheut, ist auch kein Freundves Spiels, höchstens eines Spiels der schlechtesten Art, des bloßen Glücksspiels.

Wie unterscheidet sich nun das Spiel von der Arbeit? Vor allem im Zweck. Denndie Arbeit erstrebt ein außer der Thätigkeit als solcher liegendes Ergebnis von Bedeutung,und was sie thut, geschieht nur um dieses Ergebnisses willen, ist nur Mittel dazu. Nichtdie Thätigkeit für sich allein führt hier zur Befriedigung, sondern das Ziel, Vas manerstrebt: sei dieses ein objektives Werk, das sich ablösend von dem thätigen Subjekte einenselbständigen Wert behauptet oder die Ausbildung derselben Kräfte, die bei der Arbeitsich bethätigen, zur Vervollkommnung des Subjektes. Es ist möglich, daß die Arbeitselbst, als Thätigkeit, augenblicklich sehr wenig befriedigt, daß sie große Überwindung kostetund nur durch den in der Ferne winkenden Zweck oder, wofern dieser noch nicht frei er-saßt worden, durch Gebot und Gehorsam die nötige Anspannung erlangt. Anders beim