Druckschrift 
6 (1885) Philologie, klassische - Reform der Gymnasien
Entstehung
Seite
620
Einzelbild herunterladen
 

620

r

fRaitgorbmntg.

fnüpfter ift, teit« barum, weit nad) fo bieten Sofationdproben ba« Urteil ber ©djuteüber bie Seiftungen ber einjetnen bereit« feftftel^en muß, enbltdj aber audj barum, »eitben ©djütern auf ber §öt?e ber ©djutbitbung aud) ber ©ebanfe nahe gelegt Serbenmuß, baß er ftd) fetbft ju beurteiten unb ju fontrottieren Ijäbe, unb baß ber äußere©ieg ber Slnerfennung bod) nidjt ba« £>Bdffte fei, »onad) er ftreben müffe. 3n berfPrima ber ©hmnaften unb fReatfd)uten, fo»ie in ber Dberftaffe ber ^ö^ereu &öchter=fd;ute f'ftegen barum mit fRecht neue Sofationen nid)t mef)r borgenommen ju »erben.®ie fRangorbnung, in melier bie ©d;üter faßen, et;e fie in bie $taffe traten, bteibtatfo auch für bie oberfte klaffe gültig.

Slber auf metdje SBeife fott ba« Urteil über bie Steife be« ©d)üter« unb über benSoftt«, ber it;m gebührt, feftgeftellt »erben? @8 giebt l^ier einen j»eifacben 3Beg. Stufbem einen gelten biefenigen, »eiche im Saufe ber ganjen 3eit Jtmfdjen ber jute( 3 t oor=genommenen unb junädjft oorjunebmenben 33eränberung ber fRangorbnung ba« ÜDtateriatfür ba« Urteil über bie neue Sotation fammetn. Sn mandjen ©djuten »erben Sob=jettet mit oerfchiebenen Stummem nach bem ©rabe ber ertoorbenen .ßufriebenbeit be«Se^rer« bei jfeber guten Seifiung auSgeteilt, unb au« ihnen »irb bann bie ©umrnegejogcn, »eldte über ben ißtab entfärbet. Stuf anbern Stnftatten ift ein feßr au«ge=bitbete« ©tridf» unb Stotenfhftem im ©ebraudje, nad) »eldfem jfebe Stntmort be« Sdjüter«fofort protofodiert toirb. It^nlid) oerbätt e« fid) bamit, toenn alte gelßer ber an=gefertigten fdjrifttidjen Strbeiten abbiert unb biefe ©ummen bei 53eftimmung ber Pät 3 ein Slnredjnung gebraut »erben, unb auf bagfelbe Stefuttat fommt c« hinaus, »eratj. 33. nad) jebent ©yercitium immer fofort eine neue Sfangorbnung gemadjt »irb. Stilebiefe Slrten, bie ßenntniffe unb fjortfdjritte ju fontrottieren, fütb in b°^ enl ®rabebebcnfticO- 3»ar »irb ein ge»iffentjafter Seljrer fiel) über ade biefe 33orfomnmiffe feineStetigen madjen unb biefe für bie 33eurteitung be« ©diäter« ju State jietjen, beimba« ©ebädßni« be« Seßrer« oerntag nid)t alte gatte »on gteiß unb Unfteiß, atte gutenunb mittelmäßigen Seiftungen ohne fotdje fpitfe feftjubatten. Slber atte biefe Stetigengeben fein richtige« 33ilb eon bem in ber ganjen 3eit gemachten gortfd)ritte. 3Bcmtein ©djüter im Saufe be« ©etnefter« in ber Steife ber tateinifdjen Eyercitien fotgenbegabt oon gebtern gemacht hätte: 25 , 22 , 18 , 15 , 19 , 14 , 12 , 7, 8, 5 , 3, 2 , fo»ürbc er burch bie bebeutenbe Stbnabme ber gehler in ben testen Strbeiten, bie hochgewiß nicht bie leichteren getoefen fein fönnten, be»iefen haben, baß er an gramma=tifeber ©idjerheit fe^r erfreulich getoonnen hätte. 3ßenn bagegen ein anberer ©d)üterber Steibe nad) 11 , 9 , 13 , 12 , 13 , 12 , 10, 15 , 14 , 14 , 12 , 15 get)ter gemacht hätte,fo »ürbe er burd) bie im ganjen jiemlid) gleichmäßige 3 a 0t ber gebier gegeigt haben, baßer im Slnfang, »o bie gorberungen nod) geringer »aren, j»at eine getoiffe mittlere©teile in ber klaffe eingenommen, baß er aber am (Snbe be« ©emefter« biefetbe nichtgebeffert, fonbern eßer oerfdjtiramert bäbe. SDie ©umme ober bie ®urd)fd)nitt«jabl aber»ürbe bei beiben biefetbe fein, nämlich 12|. SJtit »eldjent fRedjte »ürbe bem elfterenin einem Slugenblide, »o fein gegenmärtiger ©tanbpunft beurteitt »erben fott,bie 3at;t ber Srrtümer unb gebier angerechnet »erben, bie er auf einem über»unbenen©tanbpunfte feiner Qmtmidtung fid) ju fd)utben f'ommen ließ, befonber«, ba bie testenStrbeiten jebenfad« bie fd)»ierigeren ftnb ? Unb mit »etchem fRedße »erben bem anbern©cbüter für biefetbe 33eurteitung ber ©egentoart bie günftigen 33erl)ättniffe angerechnct,unter benen er bie leidßeren Slufgaben be« Slnfang« über»anb? 2Bie oft einer aufbem SBege ftrauchette, ift gleidjgültig bei 33eant»ortung ber grage, ob er bie £>i>h eerreid)te ober nid)t. Unb banad) »irb bei ber Sofation gefragt. ®ie ©ad;e b a * a ^ ernoch eine anbere febr übte ©eite. 33ei biefer unabtäffigen Slnfnüpfung oon ©träfe unbS3e(of;nung an bie einjelne Seiftung, ja an febe einjetne 3lnt»ort, bött ade Unbefangen*beit be« ®emüte« unb bamit ade gruchtbarfeit be« Unterridjte« auf. „®er ©djülerbenft nur an ben ©trieb, nicht an bie ©ache," fagt Stägetsbad) (a. a. D. ©. 57 ), berbie« ganje ©tridjftjftem gerabeju oerabfcheuung8»ürbig nennt. ®ie übten gotgen,

i