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6 (1885) Philologie, klassische - Reform der Gymnasien
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Ätiologie, flaffifdjc.

unb Sitteratur eines Volles erforfdjt, um baburd) 2luffd)Iufj über baS geiftige Seben beSVolles ju gewinnen, alfo mit bem Streben nad) ^iftorifdjer ßrlenntniS, ba treibt manPhilologie. bhtfofern alfo wirb aud) bie moberne ijjljilotogie tpre berechtigte ©teile nebenber llaffifdjen entnehmen l)aben. 3nbeffen wirb bod) ein Unterfd)ieb ju bemerlen fein.®hatfäd)lid) nämlich ftedt fidj bie moberne i)3b)itologie engere ©renjen als bie llaffifdje,infofern als bie leptere oermittelft unb außer ber ©pradie unb Üitteratur ben ganjeuÄutturjuftanb ber ©riedjen unb Störner in ihren 33ereid) jiept, währenb ber mobernePpilolog bod) im wefentlüpen nur mit ber ©prad)e unb ben litterarifcpen Verl)ältniffen,inSbefonbere auch ber älteren 3eit fid) befdjäftigt; ein moberner Ph'i°l 0 S foldje* wirbfid) fd)Werlid) mit ber Steligion, mit ben öfonomifdjen ^uftänben, mit ben militärischenßinrid)tungen ber gransofen, ©panier u. f. w. eingepenb befdjäftigen, wie ber UaffifdjeifSthlotog mit ben entfpredjenbeu ^uftänben ber ©riedjen unb Stomer; bie reale Sphäreift für ben ntobernen Philologen etwas ©uhfibiäreS, wäl)renb ihre ßrforfdjung für benllafftfdjen Phii D l° 3 en ben lebten .ßmed hübet*).

ßs giebt nun aber einige 2Biffenfd)aften, beren ©teüung jur flaffifdjen Philologienidjt immer flar unb ridjtig aufgefafjt wirb, ja hinftd)tlid) wetd)er bie ffrage erhobenwerben lann, oh fie nid)t gerabeju ©eile ber lederen hilben. ßS finb bieS bie©prad)Wtffenfd)aft ober Singuiftil, bie alte @cfd)id)te unb bie auf bie llaffifd)en Pötferfid) begiehenbe 3trd)äologie. 3war bie erftgenannte biefer OtSciplinen wirb fegt in berSiegel als eine felhftänbige unb eigentümlid)e SBiffenfdjaft behanbelt, bie lederen beibenaber werben nicht feiten als ©lieber im Organismus ber Hafftfcfjen Philologie aufge=führt. Sßir halten bieS nidjt für richtig, »ielmehr aud; bie alte @efd)id)te unb bieSlrcpäologie finb als befonbere SBiffenfdjaften anjufepen, weldje freilich mit ber Philologiein engem gufammenhang unb ftetcr SBecpfelwirfung ftehen, weshalb baS Verhältnisberfelben ju einanber etwas ©djWanfenbeS hef'ommt unb nidjt fo leidet ju beftimmen feinbürfte.

SBaS junächfi bie Singuiftil betrifft, fo ftimmen wir (trofs bem SBiberfprud)5 . V. oon Sßhitneh = 3oKt ? , SDie ©prad)Wiffenfd)aft ©.50 ff.) mit benfenigen ®elel)rten(wie SSt. SStüHer, ©d)leid)er u. a.) überein, welcfe in berfelben nidjt wie in ber Philologieeine l)iftorifd)e, fonbern eine Staturwiffenfdjaft fehen. ®aS Objeft ber ©prad)Wiffen=fdfaft iftcie non ber Statur gegebene, unabänberlidfen 33tlbungSgefepen unterworfene©prad)e, beren Pefd)offenl;eit außerhalb ber ÜBiHenSbeftimmung beS ßinjelnen liegt;bie ©prad)e ift hier ©elbftjwed, ben -Philologen geht ber ©ebraud) an, ber oon ber©pradfe gemadjt wirb, ben ©lottifer nur ber Organismus; ber ©lottifer ift Staturforfdper,er oerhält fich ju ben ©pradjen wie 3 . 33. ber 33otanüer ju ben Pflanjen, ber philologaber gleicht bem ©ärtner." (©d)leid)er, Oie beutfdje ©pradfe ©.120 f.) ®ie natür=lidje ©eite tritt bei ber ©prad)Wiffenfd)aft nidft nur barin beutlid) heroor, baff fie biephhfiologifdfen Organe unb fßrojeffe ju ertennen h a h burd) weld)e überhaupt baS©pred)en 3 U ftanbe louunt, fonbern aud) barin, bafj bie ©prad)e ihr als ein oon Statur»orl)anbener notwenbiger Organismus erfd)eint; benn aüeS, was wir nicht analpfieren,nadjbüben unb baper begreifen fbnnen, unb bieS gilt bod) oon ben erften Anfängenber ©pracpe müffen wir als Stotwenbigleit, als Statur bejeidjnen. Unb wenn gegenbiefe Sluffaffung eingewenbet wirb, baß oiele formale unb materiale ßlemente ber ©prad)eburd) ben fpred)enben SJtenfdjen felbft, abfid)tlid) ober unwiWüiiid), abgeänbert Werben,fo finbet eine folcpe Veränberung aüerbingS infofern ftatt, als glepionSformen aufge=geben, neue SBortformen gebilbet, frembe SBörter entlehnt werben u. bgl.; aber eine neue

*) Sie Sefhütioit ber Philologie, weld)e SBoedp in feiner Enct)!lopäbie aufftedt, wo erfie alsErtenntnis beS Ertaunten" bejetipnct, fdjeint uns nicht jutreffenb. Senn ift ni^t jebeS Semenunb Ertennen, lueltpeS fi^ auf einen fd)on früher oerarbeiteten Stoff bejiept, alfo baS ©tubiumjeher SBiffenfdjaft, welche fdjoneine hifloriftpe Entwidlung gehabt hat,ErtenntniS beS Ertannten"?SBemt aber Soedh (©. 11) Philologie gerabeju mit ©ef^iepte ibentipjiert, fo hört eben eigcntlithjeber befthnmte SBegriff Oon Philologie wie oon ©efepübte auf.

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