312 Ueber die men f c hliehe Natur.
ben ift eine fo langweilige Scene, und die Menfchenbefitzen im Allgemeinen genommen fo viel Indolenz,dafs alles, was fie vergnügt, wenn es auch gleich eineLeidenfchaft ift, die zugleich etwas Unangenehmesbei fich führt, ihnen im Ganzen doch eine fehr ange-nehme Empfindung gewährt. Und diefe angeneh-me Empfindung wird hier durch die Natur derObjekte vermehrt, rvelche, da fie ftark auf dieEmpfindung wirken und von geringem Umfangefind, leicht Eingang finden und der Einbildungs-kraft angenehm find.
Diefelbige Theorie, aus welcher wir die Liebezur Wahrheit in der Mathematik und Algeber er-klärt haben, pafst auch auf die Moral, Politik, Phy-lik und andre Wiffenfchaflen, wo man nicht dieabftrakten Verhältniffe der Begriffe, fondern ihrerealen Verknüpfungen und Dafeyn betrachtet.Aber aufser jener Liebe zur Erkenntnifs, die fich inden WilTenfchaften entwickelt, giebt es noch einegewiffe Neugierde, welche der menfchlichen Natureingepflanzt ift, eine Leidenfchaft, die aus einem ganzverfchiedenen Princip herrührt. Einige Leute habeneine unerfättliche Begierde, alleUmftände und Hand-lungen ihrer Nachbarn zu wiffen, obgleich ihr eignerVortheil gar nicht damit verwickelt ift, und ihr Wif-fen über diefen Punkt ganz und gar von andern ab-lrängt; wobei alfo ihr Studieren und Nachdenken garnichts zu thun hat. Lafst uns den Grund dieferErfcheinung zu erforfchen fucheu.
Es