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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
292
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2 cj2 Ueber die menfchliche Natur.

Wahrfcheinlichkeit mehr auf ein Gut als ein Uebelgeht, fo herrfeilt auch in der Mifchung die Freudeoder die Traurigkeit mehr: denn die Natur derWahrfcheinlichkeit befteht darinne, dafs eine grö-fsereZahl von Gründen oder fällen auf die eine Seitefällt; oder welches eben daffelbe ift, dafs eine grü-fsere Zahl davon von einer Lcidenfchaft zurückwirkt;oder die zerftreuten Leidenfchaften in eine gefarn-melt, einen gröfsern Grad diefer Leidenfchaft geben.Das heifst mit andern Worten, wenn Traurigkeitund Freude durch die entgegengefetzten Vorftellun-gen der Einbildungskraft mit einander gemifcht wer-den , fo bringen lie durch ihre Vereinigung die Lei-denfchaften von Hoffnung oder Furcht hervor.

Bei diefer Gelegenheit kann man eine fehrmerkwürdige Frage aufwerfen, welche diefen Wi-derftreit der LeidenfchafLen, die wir gegenwärtig ab-handeln, betrifft. Wenn nemlich die Objekte der ent-gegengefetzten Leidenfchaften auf einmal vorgeftelltwerden, fo ereignet es fich bisweilen, dafs, aufserdafs die herrfehende Leidenfchaft wächft, (welchesfchon oben erklärt ift und gemeiniglich bei ihremelften Stofs oder Anfall entlieht) beide Leidenfchaf-len nach einander und bei kurzen Intervallen exifti-ren; bisweilen auch, dafs'fie fich einander vernich-ten und keine von ihnen bleibt; und bisweilen, dafsfie beide in der Seele bleiben. Man kann daher fra-gen , nach welcher Theorie fich diefe verfchiedenenErfclieinungen erklären laffen, und auf welches all-gemeine Princip man fie zurückführen kann.

Wenn