*84 Uebet die menfchliche Natur.
Werth haben, und weit fchätzbarer zu feyn fchei-nen, als alles, ’ was felbft von den entfernteftenTheilen der Welt zu uns gebracht wird.
Die dritte Erfcheinung, weicheichangeführthabe, wird diefes vollends beftätigen. Nicht jedeEntfernung in der Zeit bringt Achtung und Ehr-furcht hervor. Wir pflegen uns nicht einzubilden,dafs unfre Nachkommenfchaft uns übertreffen oderunfern Vorfahren gleich kommen wird. Diefes Phä-nomen ift um fo merkwürdiger, weil eine Entfer-nung von der Zukunft (unfre Begriffe nicht fo fehrfchwächt, als eine gleiche Entfernung von dem Ver-gangenen. Obgleich eine Entfernung in Abfichtauf das Vergangene, wenn fie fehr grofs ift, unfreLeidenfchaften weit mehr verftärkt, als eine gleicheEntfernung in Anfehung der Zukunft, fo hat docheine kleine Entfernung eine gröfsere Kraft fie zufch wachen.
Nach unfrer gewöhidichen Art zu denken, fte-hen wir gewiffermafsen in der Mitte zwifchen demVergangenen und dem Zukünftigen ; und da dieerftere fich vorzuftellen, unfrer Einbildungskraftfchwer, dem Laufe der letztem aber zu folgen, ihrleicht fällt; fo führt das Schwere den Begriff desHinauffteigens, das Leichte aber den entgegenge-fetzten Begriff herbei. Daher bilden wir uns ein,als ob fich unfre Vorfahren gewiffermafsen über uns,und unfre Nachkommen unter uns befänden. UnfrePhantafie kann nicht ohne Anftrengung zu dem ei-nen , aber mit vieler Leichtigkeit zu dem andern ge-
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