Von der Liebe und dem Haffe. 205p
Die Begriffe der Entfernung und der Verfchieden*heit find alfo mit einander verknüpft. VerknüpfteBegriffe werden aber leicht mit einander verwech*feit; und diefes ift überhaupt die Quelle der Meta*pher, wie wir in der Folge zu bemerken, Gelegen*heil finden werden.
Eil ft er Abfchnitt.
Von der Gefchlechterliebe.
Von allen zufammengefetzten Leidenschaften*Welche aus der Vermifchung der Liebe und des Haf*fes mit andern Affekten entftehen, verdient keinemehr tinfre Aufmerkfamkeit., als diejenige Liebe,Welche zwifchen den Gefchlechtern entfpringt, fo*wohl wegen ihrer Gewalt und Stärke, als auchwegen unfern paradoxen Grundfätzen in der Philo*fophie, für welche fie uns einen unwiderlegbarenBeweis an die Hand giebt. Es ift offenbar, dafsdiefe Leidenfchaft in ihrem natürlichften Zuftandöaus der Verbindung dreier verfchiedener Impreffio-nen oder Leidenfchaften entfpringt, nemlich aus derangenehmen Empfindung, welche die Schönheit er*weckt; aus dem körperlichen Inftinkte nach Fort*pflanzung; und aus einer grofsmüthigen Zärtlichkeitoder einem Wohlwollen. Wie die Zärtlichkeit ausder Schönheit entfpringe, kann aus dem Vorherge-henden erklärt werden. Hier foll vornemlich unter*fucht werden, wie der körperliche lnftinkt dadurchgeweckt wird.
Zweiter Band, O Der