Von der Liebe lind dem Haffe. 185
an dem Wechfel der Leidenfchaften finden: Warumanders, als weil er diefe Werke als ganz von einan-der unterfchieden betrachtet, und deshalb den Laufder Begriffe und der Leidenfchaften abbricht unddadurch verhindert, dafs das eine auf das anderenicht einfliefsen oder ihm widerfprechen kann?
Eine heroifche und burleske Zeichnung in ei-nem Gemälde vereiniget, würde ungeheuer feyn;ob wir gleich zwei Gemälde von fo entgegengefetz-ten Charakter ohne Bedenken und Anftofs in einund ebendaffelbe Zimmer und fogar dicht nebeneinander fetzen.
Kurz, Begriffe können nie weder durch Ver-gleichung noch durch die Leidenfchaften, die fiefür fich hervorbringen, auf einander wirken, wennfie nicht durch irgend ein Verluiltnifs mit einandervereiniget find, welches einen leichten Uebergangder Begriffe und folglich auch der Gemüthsbewegun-gen oder Impreffionen, welche die Begriffe beglei-ten, verurfacht; und welches die eine Impreffionin dem Uebergange der Einbildungskraft zu demObjekte der andern erhält. Diefes Princip ift äuf-ferft merkwürdig, da es demjenigen analog ift, wel-ches wir in Anfehung des Verftandes und derLeidenfchaften feftgefetzt haben. Man fetze,mir würden zwei Objekte vorgeftellt, die durchkeine Art vonVerhältnifs verbunden find; jedes die-fer Objekte bringe für fich eine Leidenfchaft her-vor; und diefe zwei Leidenfchaften follen fich ein-ander entgegengefetzt feyn; fo lehrt die Erfahrung,
dafs