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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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Von der Liebe und dem Haffe,

cip der Vergleichung. Ein Menfch, der fich einemVergnügen iiberläfst, während clafs fein Freund lei-det, fühlt die unglückliche Lage feines Freundes,wenn er an fie denkt, weit ftärker, durch eine Ver-gleichung mit dem urfprünglichen Vergnügen, daser felbft geniefst. Diefer Kontraft rnüfste nun ei-gentlich, wie es fcheint, das gegenwärtige Vergnü-gen noch lebhafter machen. Allein da der Kummer,wie hier vorausgefetzt wird, die herrfchende Lei-denfchaft ift, fo fällt jede Vermehrung auf diefe Seite,und alles was hinzukömmt, vergröfsert nur diefeLeidenfchaft, ohne im geringften auf den entgegen-gefetzten Affekt zu wirken. Derfelbige Fall ift esauch mit foichen Strafen, die fich die Menfchenfelbft wegen ihrer vergangenen Sünden und Fehlerauflegen. Wenn ein Verbrecher an die Strafe denkt,welche er verdient hat, wird der Begriff.davondurch die Vergleichung mit feiner gegenwärtigenRuhe und Zufriedenheit vergröfsert, und dieleszwingt ihn gewiffermafsen Mifsvergntigen zu fuchen^um nur einen fo unangenehmen Kontraft zn ver-meiden.

Aus diefem Raifonnement läfst fich nun derUrfprung fowohl des Neides als auch der Bos-heit erklären. Der einzige Unterfcliied zwifchendiefen Leidenfchaften liegt darinne, dafs der Neiddurch einen gegenwärtigen Genufs mit andern er-weckt wird, als welcher durch die Vergleichungder Begriffe von unferm eignen Genufle verringert;dahingegen die Bosheit das durch keine Beleidigung

M 2 gereitzte