Von der Liebe und dem Haffe. 165
ben des Verlangens zu ändern, und hierdurchwürde fie fie mit einander verträglich gemachthaben.
Siebenter Abfchnitt.
Von dem Mitleiden.
Ob aber gleich das Verlangen nach dem Glückoder Unglück anderer, nach! dem Maafs der Liebeoder des Haffes, die wir gegen fie haben, als einwillkührlicher und urfpriinglicher Inftinkt in unfreMatur gepflanzt ift, fo finden wir doch, dafs er beivielen Gelegenheiten nachgemacht werden und ausabgeleiteten Principien entftehen kann. Mitlei-den ift eine Betriibnifs, und Bosheit eine Freu-de über das Unglück anderer, ohne dafs Freund-fchaft oder Feindfchaft diefe Betrübnifs oder Freudeveranlaffen. Wir haben felbft mit fremden und fol-chen Perfonen Mitleiden, die uns vollkommengleichgültig find: und wenn unfer böfer Wille gegeneinen andern von Verdrufs oder Beleidigung her-rührt, fo ift es, eigentlich zu reden, nicht Bosheit,fondern Pvache. Aber wenn wir diefe Leidenfchaftendes Mitleids und der Bosheit prüfen, fo werden wirfinden, dafs fie abgeleitet find, und von urfprüng-lichen Leidenfchaften entftehen, welche durch ei-nen befondern Gang der Denk- und Einbildungs-kraft modificirt find.
Die