156 Ueber die menfchliche Natur.
Jedes Vergnügen ift fchwächer, wenn man es ent-fernt von Gefellfchaft geniefsen mufs, und jederSchmerz wird da graufamer und unerträglicher.Was uns auch für andere Leidenfchaften bewegenmögen; Stolz, Ehrfucht, Geiz, Neugierde, Racheoder Wolluft; die Seele oder das belebende Principderfelben ift allemal die Sympathie; und fie würdenkeine Kraft haben, wenn wir von den Gedankenund Gefinnungen anderer gänzlich abgezogen wä-ren. Lafst fich alle Kräfte und Elemente der Naturvereinigen, einem Menfchen zu dienen und ihm zugehorchen: Die Sonne gehe nach feinem Befehle
auf und unter: die See und dieFliiffe follen fich nachfeinem Wohlgefallen bewegen, und die Erde gebeihm freiwillig alles, Avas ihm nützlich oder ange-nehm feyn kann : er wird dennoch unglücklich feyn,wenn ihr ihm nicht Avenigftens einen Menfchen gebt,mit dem er feine Gliickfeligkeit theilen, und deffenAchtung und Freundfchaft er geniefsen kann.
Diefen Schlufs aus einem allgemeinen Blicke aufdie menfchliclie Natur, können wir noch durch ein-zelne Beifpiele betätigen, in welchen die Kraft derSympathie vorzüglich mei'kwürdig ift. Die mehre-ften Arten von Schönheiten haben diefen Urfprung;und obgleich unfer erftes Objekt ein empfindungslo-fes und unbelebtes Stück Materie ift, fo bleibenAvir doch feiten dabei ftehen, fondern wir richtenunfern Blick auf feinen Einflufs auf empfindende undvernünftige Gefchöpfe. Wenn jemand uns feinHaus oder t Gebäude zeigt, fo bemüht er fich befon-
ders