148 ü eber die menfchliche Natur.
würde gewifs den Wein beiden vorgezogen haben,wenn ihm fein Vaterland ein fo angenehmes Ge-tränk dargeboten hätte. Wir können hieraus ler-nen, dafs alles, was den Sinnen angenehm ift, auchgewiffermafsen der Einbildungskraft gefällt, unddein Vorftellungsvermögen ein Bild von demjenigenVergnügen zuführt, welches es gewährt, wenn es'wirklich auf die körperlichen Organe wirkt.
Aber obgleich diefe Gründe uns jene Feinheitder Einbildungskraft unter den Urfachen der Ach-tung, die wir Reichen und Mächtigen erweifen, be-greiflich machen können, fo find doch viele andreGründe, die uns abhalten, fie als die einzige oderhauptfächlichfte Urfache anzufehen. Denn da dieBegriffe des Vergnügens blos vermittelft ihrer Leb-haftigkeit, welche macht, dafs fie nahe an die Im-preffionen grenzen, einen Einflufs haben können,fo ift es fehr natürlich, dafs folche Begriffe diefenEinflufs haben werden, welche durch die mehreftenUmftände begünftiget find, und fchon durch ihreNatur, leicht, ftark und lebhaft werden; fo wieunfre Begriffe von den Leidenfchaften und Empfin-dungen der menfchlichen Gefchöpfe. Jedes menfch-liche Wefen ift uns ähnlich, und hat hierdurch vorjedem andern Objekte einen grofsen Vorzug, wennes auf die Einbildungskraft wirkt. •
W^enn wir aufserdem die Natur diefes Vermö-gens, und den grofsen Einflufs, welchen alle Ver-hältniffe auf daffelbe haben, in Erwägung ziehen,fo werden wir uns leicht überzeugen, dafs obgleich
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