Von der Liebe und dem Haffe.
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deffen die Seele fähig ift, und cliefe Neigung nimmtdem Grade nach immer mehr ab, je mehr die Ver-bindung nacliläfst. Aber nicht Verwandtfchaft al-lein hat diefe Wirkung, fondern jedes Verhältnis?ohne Ausnahme. Wir lieben unfre Landsleute,unfre Nachbarn, folche, die mit uns einerlei Ge-fchäft oder Handwerk treiben, und felbft folche, dienur den Namen mit uns gemein haben. Jedes die-fer Verhältniffe wird für ein Band gehalten undgiebt einem Theile unferer Liebe einen Grund.
Es giebt eine andere Erfcheinung, die diefervöllig gleich ift, nemlich dafs Bekanntfehaftohne irgend eine Art von Verwandlfchaft, Liebeund Zuneigung erweckt. Wenn man mit ei-nem Menfchen lange umgegangen und mit ihm ver-traut geworden ift, fo wird man nicht umhin kön-nen, ihn, ob man gleich keine grofsen überwiegen-den Vorzüge in ihm während des Umganges ent-deckt hat, dennoch Fremden vorzuziehen, von de-ren gröfsern Verdienft wir vollkommen überzeugtfind. Diefe zwei Erfcheinungen der Wirkungender Verwandtfchaft und Bekanntfchaft verfchaffeneinander wechfelsweife Licht, und können beide auseinem und ebendemfelben Princip erklärt werden.
Diejenigen, welche ein Vergnügen daran fin-den, gegen die menfchliche Natur zu deklamiren,haben bemerkt, dafs der Menfch ganz unfähig ift,fich felbft zu erhalten; und dafs, wenn man ihmalle Unterftützung, die ihm die äufsern Objektegewähren, entziehen woBte, er unmittelbar in die
tief-