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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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Von der Liebe und dem Haffe.

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kann unmöglich ihren Blick auf uns felbft einfchrän*ken. So erzeugt nichts leichter Liebe und Neigung zueiner Perfon, als fein Beifall, den er unferer Auffüh-rung und unferm Charakter giebt: fo wie auf derandern Seite uns nichts einen gröfsern Hais einflülst,als fein Tadel und feine Verachtung. Hier ift esoffenbar, dafs die urfpri'ingliche Leidenfchaft Stolzoder Demuth ift, die das Selbft zum Objekte haben;und dafs diefe Leidenfchaft in Liebe oder Hafs ver-wandelt wird, deren Objekt eine andere Perfon ift,welches der Regel ganz zuwider zu feyn fcheint, dieich fchon feftgefetzt habe, dafs die Einbil-dungskraft mit Schwierigkeit von demNahen zum Entfernten übergehe. Al-lein der Uebergang gefchiehet in diefem Falle nichtblos um des Verhältniffes willen, das zwifchen unsund der Perfon ftatt findet, fondern weil die Perfoneigentlich die reale Urfache unfrer erften Leiden-fchaft, und folglich ganz genau mit ihr verknüpftift. Ihr Beifall erzeugt Stolz, und ihr Tadel De-muth. Kein Wunder alfo, wenn die Einbildungs-kraft wieder in Begleitung der damit verbundenenLeidenfchaften von Liebe und Hafs zurückgeht.Diefes ift kein Widerftreit, fondern eine Ausnahmevon der Regel; und eine Ausnahme, die mit der Re-gel felbft einerlei Grund hat.

Eine folche Ausnahme, wie diefe ift, enthältdaher eher eine Beftätigung der Regel. Und in derThat, wenn wir alle die acht Verfuche anfehen,welche ich entwickelt habe, fp werden wir finden,

dafs