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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
124
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1*4 Ueber die menfchliche Natur.

Der Grad einer Leidenfchaft hängt von derNatur ihres Gegenftandes ab; und eine Leidenfchaftgegen eine Perfon gerichtet, die in unfern AugenAnfehn hat, erfüllt die Seele weit mehr als eineandere, welche eine Perfon zu ihrem Gegenftandehat, die wir nicht fo hoch achten. Hier entwickeltlieh alfo der Widerfpruch zwifchen dem Hange derEinbildungskraft und zwifchen dem Hange der Lei-denfchaft von felbft. Wenn wir an ein grofses undkleines Subjekt denken, fo geht die Einbildungs-kraft leichter von dem kleinen zum grofsen, als vondem grofsen zum kleinen; aber die Leidenfchaftenfinden eine gröfsere Schwierigkeit: und da die Lei-denfchaften eine gröfsere wirkende Kraft haben alsdie Einbildungen, fo ift kein Wunder, dafs fie dieOberhand bekommen, und das Gemiith auf ihreSeite ziehen. Ohnerachtet der Schwierigkeit, wel-che eine Leidenfchaft findet, von dem Begriffe einergrofsen zu dem Begriffe einer kleinen überzugehen,fo bringt fie doch, wenn fie auf die erftern gerich-tet ift, allemal eine ähnliche Leidenfchaft auf dieletztern hervor; wenn die grofse und kleine miteinander verknüpft find. Der Begriff eines Dienersleitet unfre Gedanken fehr leicht zum Herrn; aberder Hafs oder die Liebe zum Herrn bringt nochleichter Unwillen oder Gewogenheit gegen den Die-ner hervor. Die ftärkere Leidenfchaft hat in die-fem Falle den Vorzug; und die Verbindung derfchwächern mit derfelben bringt keine fonderlicheVeränderung in der Gemüthsftimmung hervor, der

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