Von der Liebe und dem Haffe. tljf
iere Prüfung feines Charakters eine Liebe gegen fei-nen Bruder-zu faffen. Ein Streit mit einer Perfonbringt uns leicht einen Hafs gegen die ganze Familiebei, ob fie gleich an dem, was uns beleidiget hat,ganz unfchuldig ift. Beifpiele diefer Art kann manallenthalben antreffen.
In diefem Verfuche ift nur eine Schwierigkeit,welche, bevor wir weiter gehen,nothwendig gehobenwerden rnufs. Es ift nelimlich gewifs, dafs obgleichalle Leidenfchaften fehr leicht von einem Objekte zueinem andern, das mit ihm verbunden ift, überge-hen, diefer Uebergang dennoch leichter gefchieht,wenn das wichtigere Objekt zuerft vorgeftellt wird,und das weniger Avichtige darauf folgt, als wenndiefe Ordnung umgekehrt wird, und der unwichtigeGegenftand zuerft erfcheint. So ift es uns Aveit na-türlicher den Sohn um des Vaters Avillen zu lieben,als den Vater um des Sohnes willen; den Dienerwegen des Herrn, als den Herrn Avegen den Diener;den Unterthanen wegen des Fiirften, als clenFür-ften wegen der Unterthanen. Auf gleiche Art faf-fen Avir leichter gegen eine ganzeFamilie einen Hafs,wenn unfer erfter Streit mit dem Haupte derfelbenvorfällt, als wenn Avir mit einem Sohne, oder Die-ner, oder fonft einem untern Gliede der VerAvandt-fchaft zerfallen. Kurz unfre Leidenfchaften verhal-ten fich hier wie die andern Objekte, fie fteigen mitgröfserer Leichtigkeit herab als herauf.
Um zu begreifen, Avorinne die Schwierigkeit,diefes Phänomen zu erklären, befteht, mufs man
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