Von dem Stolze und der Demutb. «9
-dig erhält; und diefe Aehnlichkeit mufs fehr vieldazu beitragen, dafs wir fo leicht den Meinungenanderer beiftimmen, und fie mit Vergnügen anneh-men. Diefemnach finden wir, dafs wo aufser jenerallgemeinen Aehnlichkeit unfrer Naturen, noch einebefondere Aehnlichkeit in unfern Sitten, oder Cha-rakter, oder Vaterlande, oder Sprache ftatt findet,die Sympathie erleichtert wird. Je enger das Ver-liältnifs zwifchen uns felbft und einem Objekte ift,defto leichter wird der Einbildungskraft der Ueber-gang, und defto lebhafter wird die mit dem Begriffeverknüpfte Vorftellung, mit def wir allemal den Be-griff nuferer eignen Perlon formiren.
Die Aehnlichkeit ift aber auch nicht das einzi-ge Verhältnifs, welches diefe Wirkung hat, fondernes erhält von andern Verhältniffen, die es begleiten,neue Kraft. Die Meinungen anderer haben wenigEin-flufs auf uns, wenn diefe weit von uns entfernt find,und es wird zu ihrer vollftändigen Mittheilung nochdas Verhältnifs der Kontiguilät erfodert. Blutsver-wandtfchaften, die eine Art von Kaufialverhältnifsausmachen, können bisweilen diefelbige Wirkunghaben, fo auch der Umgang, der auf gleiche Artwie Erziehung und Gewohnheit wirkt, wie wir inderFolge*) mit mehrern zeigen werden. Wenn allediefe Verliältniffe zufammen vereinigt find, fo leitenfie die Impreffion oder dasBewufstfeyn unfrer eignenPerfon zu dem Begriffe der Gefinnungen oder der
Lei-
*) Th. 2. Abfchn, 4.