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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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Von dem Stolze und der Demut ln 77

andern unverändert zu erhalten. Ein muntererMenfch ift augenblicklich mit feiner Gefellfchaft ineinerlei Laune verfetzt; und felbft der finfterfte undmürrifchfte nimmt doch eine Tinktur von feinenLandsleuten und von denen, mit denen er genauumgeht, an. Ein freumhiches Betragen flöfst einegewiffe Gefälligkeit und Heiterkeit in meine Seele;fo wie ein fchwermüthiger und kummervoller Blickmich mit einer fchnellen Traurigkeit überzieht.Hafs, Rache, Achtung, Liebe, Muth, Freude undMelancholie; alle diefe Leidenfchaften fühle ich mehrdurch Mittheilung als durch eine eigne natürlicheGemüthsftimmung und Temperament. Eine fo merk-würdige Erfcheinung verdientunfre Aufmerkfamkeit,und mufs bis zu ihren erften Gründen verfolgt werden.

Wenn eine Leidenfchaft durch Sympathie einge-flöfst ift, fo wird fie anfänglich nur durch ihre Wirkun-gen und durch folclie äufsere Zeichen in der Mieneund im Umgänge erkannt, welche einen Begriffdavon geben. Diefer Begriff wird jetzt in eine Im-preifion verwandelt, und bekömmt einen folchenGrad von Stärke und Lebhaftigkeit, als die wahreLeidenfchaft, und bringt eine gleiche Bewegung imGemiitlie hervor, als eine urfpriinglicheLeidenfchaft.So fchnell diefe Veränderung des Begriffes in einerImpreffion auch feyn mag, fo rührt fie doch von ge-wiffen Betrachtungen und Reflexionen her, welcheder genauen Nachforfchung eines Philofophen nichtentgehen werden, ob fie gleich die Perfon felbft,Welche fie macht, nicht bemerkt.

Man