36 Ueber die menfchliehe Natur»
die Demüthigften. und Niedrigften nicht immer amunglücklichften leben, wie man fich bei dem erftenAnblicke diefes Syftems einbilden könnte. Ein Ue-bel kann ein wirkliches Uebel feyn, obgleich feineUrfach in keinem engen Verhältniffe mit uns ftelit:es kann real feyn, ohne gerade uns allein zuzuge-hören: es kann real feyn, ohne dafs es andern licht-bar wird: es kann real feyn, ohne dafs es beftän-digift: und es kann real feyn, ohne unter die all-gemeinen Regeln zu gehören. Dergleichen Uebelwerden uns gewifs unglücklich machen, ob fie gleichwenig dazu beitragen, den Stolz zu vermindern:und vielleicht find die realften und ftärkften Uebeldes Lebens von diefer Natur.
Siebenter Abfchnitt.
Von dem Lafter und der Tugend.
Lafst uns nun mit befländiger Riickficht aufdiefe Einfchränkungen die Urfachen des Stolzes undder Demuth näher unterfuchen, und fehen, ob wirin allen Fällen die doppelten Verhältniffe, womitfie auf die Leidenfchaften wirken, entdecken kön-nen. Wenn wir finden, dafs alle diefe Urfachenauf unfer Selbft Beziehung haben, und abgefondertVon der Leidenfchaft noch eine' Luft oder Unlufthervorbringen, fo wird kein weiterer Zweifel inAnfehung der gegenwärtigen Theorie mehr übrigbleiben können. Wir wollen uns vornehmlich be-
» mühen