Von dem Stolze und der Demuth.
21
be, nemlich, dafs die Eigen fchaften eine he-fondere Luft oder Unluft erzeugen , und dafs dieSubjekte, in welchen diefe Eigenfchaften lind, ineinem Verhältniffe mit dem Selbft ftelien; fo fchreiteich zur Unterfuclning der Leidenfchaften feibft fort,und will mir Mühe geben , etwas in ihnen aufzufin-den, das den angenommenen Eigenthiimlichkeitenihrer Urfachen entfpricht. Zuerft findeich, dafsdas eigenthümliche Objekt des Stolzes und der De-muth durch einen urfpriuiglichen und natürlichenInftinkt befiimmt ift, und dafs es vermöge der ur-anfänglichen Einrichtung des Gemiiths unmöglichift, dafs diefe Leidenfchaften je über das Selbft oderdiejenige individuelle Perfon hinausreichen füllten,deren Handlungen und Meinungen fielt ein jedervon uns fo innig bewufst ift. Hier mufs zuletzt derBlick allemal ruhen, wenn wir durch irgend einediefer Leidenfchaften in Bewegung gefetzt werden:und wir können in diefer Gemüthslage diefes Ob-jekt nie aus dem Gefichte verkehren. Hiervon ge-traue ich mir nicht einen Grund anzugeben ; fon-dern ich halte diefe eigenthümliche Richtung unfrerVorftellungen für eine urfprüngliche Eigenfcliaftder Seele. •
Die zweite Eigenfcliaft, welche ich in die-fen Leidenfchaften entdecke, und die ich ebenfallsfür eine letzte Grundeigenfchaft halte, befteht inihren Empfindungen oder in den befondern Bewe-gungen und Zuftänden, die fie in der Seele erzeu-gen, und die ihr eigentliches Sevn und Wefen aus-
machen.