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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
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X* lieber die menfchlicbe Natur.

denhcit derfelben blos von dem Zufalle oder von derEinrichtung des Gemüths herkommt. Diefen Zwei-fel werden wir bald heben, wenn wir unfer Augeauf die menfchliche Natur l'ichten, und erwägen,dafs bei allen Nationen und in allen Zeiten ein undeben diefelbigen Dinge ftets Urfachen des Stolzesund der Demuth find; und dafs wir bei dem An-blicke eines uns ganz fremden Menfchen, ziemlichgenau bettimmen können, was diefe Leidenfchaftenin ihm vergröffern oder verkleinern wird. Der Un-terfchied, der fich allenfalls in diefem Stücke findet,rührt blos von der Verfchiedenheit der Tempera-mente, und den Komplexionen der Menfchen her,und ift im Ganzen fehr unbeträchtlich. Könnenwir es uns wohl als möglich denken, dafs, fo langedie menfchliche Natur diefelbe bleibt, die Menfchengegen Macht, Reichthiimer, Schönheit oder perfön-liches Verdienft je ganz gleichgültig feyn werden,und dafs ihr Stolz und ihre Eitelkeit durch diefeVortheile nicht mehr rege gemacht werden follte?

Allein obgleich die Urfachen des Stolzes undder Demuth vollkommen natürlich find, fo wer-den wir doch bei näherer Unterfuchung finden, dafsfie nicht urfpriin glich find, und dafs es ganzunmöglich ift, dafs eine jede derfelben durch einebefondere Veranftaltung und urfprüngliche Einrich-tung der Natur diefen Leidenfchaften könnte ange-meffen worden feyn. Auffer ihrer ungeheuren An-zahl, find auch fehr viele Produkte der Kunft, undrühren theils von der Induftrie, theils von den Lau-

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