Von dem Stolze und der Dernutk xI
haben, nicht nur eine natürliche, fondern auch eineurfprüngliche Eigenfchaft fey. Kein Menfch kannzweifeln, d'afs es eine natürliche Eigenfchaft fey,weil fie in ihren Wirkungen beftändig und unabän-derlich ift. DasSel-bfü ift jederzeit und allemal dasObjekt des Stolzes und derDemuth; und wenn dieLeidenfchaften fich noch fo weit zu erftrecken fchei-nen, fo bleibt doch allemal die Rtickficht auf unsfelbft darinnen, und keine Perfon und kein Dingkann auf irgend eine andere Art einen Einflufs aufuns haben.
Dafs diefes von einer urfprünglichen Ei-gen fchäft oder von einem erften Anftofse der Naturherrühre, wird gleichfalls deutlich einleuchten,'wenn man erwägt, dafs diefes das airszeichnendeMerkmal diefer Leidenfchaften fey. Hätte die Na-tur der Seele keine urfprünglichen Eigenfcbaftengegeben, fo könnte fie nie abgeleitete haben; weilfie dann keinen Grund zum Handeln haben würde,und fich alfo nie äufsern könnte. Nun find die Ei-genfchaften , welche wir, als urfprüngliche betrach-ten mtiffen, diejenigen, welche am unzertrennlich-ften mit der Seele verbunden find, und nie in ande-re aufgelöfst werden können: und vön einer fol-chen Befchaffenheit ift auch die Eigenfchaft, welchedas Objekt des Stolzes und der Demuth beftimmt.
Eine-gröflere Frage ift vielleicht die, ob dieUrfachen, welche die Leidenfchaft erzeugen,eben fo natürlich find, als das Objekt, auf wel-ches fie gerichtet find, und ob die grofse Verfchie-
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