Von 'dem. Stolze und der Demuth.
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Zweiter Abfchnitt.
Von dem Stolze und der Demuth;ihren Objekten und Urfachen.
Da die Leidenfchaften des Stolzes und derDemuth einfache und einförmige Impreffionenfind; fo ift es unmöglich, von ihnen, wenn man auchnoch fo viele Worte dabei verfchwendete, richtigeDefinitionen zu‘gehen, ja es läfst lieh eigentlich garkeine Leidenfchaft definiren *). Das höchfte wasman verlangen kann, ift eine Befchreibung derfelben,in der man die Umftände aüfzählt, welche fie be-gleiten. Da die Ausdrücke Stolz und Demuthoder niedergefchlagenes Wefen allgemein gebrauchtwerden, und die Impreffionen, welche fie vorftel-len, allgemein bekannt find, fo wird ein jeder vonfelbft im Stande feyn, fich, ohne Gefahr zu irren,einen richtigen Begriff davon zu machen. Ohnedaher mit vorläufigen Erörterungen die Zeit zu ver-kehren, fchreite ich fogleich unmittelbar zur Unter-fuchung diefer Leidenfchaften felbft.
Es
*) In den Effays fchiclct der V. folgende Befchrei-bungen voraus: Stolz ift eine gewiffe Zufrieden-heit mit fich felbft, die aus einer gewifien Voll-kommenheit oder dem Befitze eines Dinges entfteht,worüber wir uns freuen; Demuth hingegen ifteine Unzufriedenheit mit uns felbft, die durch ei-nen Mangel oder eine gewiffe Schwäche verurfachtwird. A. d. U.