4 Ueber die menfohliche Natur.
die Natur unfrer Begriffe gefagt habe, will ich nun-inehro jene heftigen Gemtithsbewegungen oder Lei*denfchaften erklären, und fie nach ihrer Natur, undEntftehungsart, nach ihren Gründen und Folgenbetrachten.
Wenn wir die Leidenfchaften überfchauen, fofehen wir bald, dafs fie in direkte und indi-rekte eingetheilt werden können. Unter direk-ten Leidenfchaften verftehe ich folche, die unmittel-bar von einem Gut oder Uebel, von Luft oderUnluftentl'tehen. Unter indirekten folche, welche zwardiefelben Urfachen haben, aber bei denen noch an-dre Eigenfchaften in Verbindung der erftern mit ge-wirkt haben. Diefe Unterfcheidung kann ich ge-genwärtig nicht rechtfertigen oder ausführlich aus-einander fetzen. Ich kann nur überhaupt bemer-ken, dafs ich unter den indirekten Leidenfchaftenden Stolz, das niedergefchlagene Wefen, oder dieDemuth, den Ehrgeiz, die Eitelkeit, die Liebe,den Hafs, den Neid, das Mitleiden, die Bofsheit,den Edelmuth und was mit ihnen zufammenhängt,begreife. Und unter die direkten Leidenfchaftengehören Verlangen, Abfcheu, Traurigkeit, Freu-!de, Hofnung, Furcht, Verzweiflung und Sorgen«lofigkeit. Ich werde bei den erftern anfangen.
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