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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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Sugcnblcctüic, Sitgeitblitcratur.

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bed $inbed, wofjI aber ber romanhafte ßauber, ber ben Verlauf ber Sßelt fälfrfjt, inber bad $inb felbft lebt unb leben foß. 3tud) aud ber fittlidjen Gattung feiner $inber=bud)t)etben fühlt ed leicht jcbe Umoatn'heit heraus, ißalmer (. däbag. ©. 217 )hat jwar ganj 9led)t, wenn er fagt, man bürfe bem $inbe ni<ht fogteid) bie wirtlicheSBelt mit ben taufenberlei Sßifchungcn unb @d)attirungen ihrer fittlidjen dertjaltniffeSeidjnen, fonbern mäße ihm, fo lange ed biefe complicirteren dertiältniffe nicht burdj=flauen unb beurteilen fönne, ©uted unb döfed in ftarf ausgeprägten ©eftalten bor-hatten, bie ihm mit böHiger @ntfd)iebenl)eit ©egenftänbe ber Siebe unb bed 3lbfd)eudwerben. Slber bamit ift nid)t gefagt, ubaß bie ©ngel an Sugenb" unb «bie Teufelan dodheit," wie man fie in bielen ®inberbüd)ern finbet, and; burdjtoeg bie rechten©eftalten bed ^inberbudfed feien; benn wad an ihnen bebenflid) erfd)eint, ift nid)t badftarfe ©epräge, fonbern bie Vtmoahrheit. 2 Bie aber ftarfe Sludprägung ber ©harafteremit ooßfommener innerer 2 öahrt)eit fid) bereinigen taffe, bad lehrt und bie ißatriardjen=gefd)icf)te, ober menn man weiter fudjcn will, fpomer, Nibelungen k .

9 ) Slud) bie ®unft ber 31 c c o m m o b a t i o n hat it)re ©cpwierigfeit; fie ift etwadmehr ald eine bloße §>erablaffung ju bem derftänbnid unb ben ©rfatwungen bed $inbed.Senn bie 335eit ber Sugenbfcprift muß bem ©efidjtdf reife bed Sinbedjwar erreid)bar fein, aber jugteid) über benfelben. hiuaudmeifen;bad ^inberbud) muß" (toie Sahtmann fagt) uftatt ben $inbern nad^ufried)en, nebenbem derftänblidjen einen ftad)elnben gufaij »on nod) nid)t üerftänbtidjen Singen geben."Ser derfud), fid) in bie enge Sphäre bed ®mbed hmeinpbichten, berfehlt feinen ßwedbei ben Stübern felbft, wie er an fid) geiftreicpen köpfen wiberftrebt. 3lucf) bie 50tei=nung, baß man bad ®inb am beften mit ©efdjidjten oon $?inbern unterhalte unb burd)Äinberbeifpiele belehre, ift irrig. Senn nber ffrtabe fühlt fid) ungern ftein, er mödjteein dtann fein; ber ganje dlid bed wohlangelegten Knaben ift über fidc geridjtet, unbwenn er adjt 3 al)te hat, geht fein @efid)tdtreid über alle ®inbert)iftorien hinweg"(fperbart). Sie ©rjählung, bie ihn erfreuen unb bilben foH, muß bad nftärffte unbreinfte ©epräge männlidjer ©röße tragen." -Sn gr. 3acobd 3llwin unb £l)eoborfpielen jwar aud) $inber, aber faft nur ald 3 ufd)auer, nicht ald gelben ber ®efd)id)te,unb Nobiufon tritt ^war aud) ald ein $inb auf, aber nid)t feine Snabenljaftigfeit,fonbern fein ©rftarfen jur SNannhaftigfeit gewinnt ihm bie fpet'äen. 3 n biefer unbjener 3lrt ift ben ®inbern eine ^affenbe Noße in ber 3ugenbfd)rift angewiefen, unb eineanbere werben fie laum einnehmen tonnen, wenn man oon ihnen mehr, ald beiläufige3lnetboten geben will. .gugleid) muß aber oor einem anbern ©ptretne gewarnt wcr=ben. 9Nan glaube nicht, baß bad Sinb lefen tonne, wie ber ©rmad)fene. Siefer finbetin bem dud)e eine ihm befaunte Sßelt unb hat ein 3ntereffe an bem dergleichen bererbid)teten dilber mit ber oon ihm felbft erfahrenen SBirflidjfeit; bie Sebenderfahrungenbed föinbed bagegen finb weit befdjränfter, unb ed bleibt it)m neben bem fpannenbenSntcreffe an bem derlaufe ber @efd)id)te bie Slrbeit übrig, bie neue ßßelt, ©ituationen,©haraftere jc. , feinen eigenen dorfteflungen ^u afftutiliren. ©ine folche Slrbeit barfihm nicht erfpart werben, fie erhöht ben 9teij unb ben Nutzen bed dud)ed; aber bie<Sd)Wierigfeit bed derftet)end unb derarbeitend barf bod) aud) nicht atläufehr gefteigertunb nod) weniger burd) gerabeju unoerftanblidje Sludbrüde unb degriffe unüberfteiglid)gemad)t werben.

10 ) Slüerbingd ift ed eine notl)loenbige ©igenfdjaft ber -S'ugenbfdjrift, baß fie3 n t e r e f f e errege. 3lber bie ©) 3 annung muß ber 3lrt fein, baß fte bie geiftige ShÜ9 =teit nicht nur erwede, fonbern jugleid) auf einen ißunct ruhiger unb anbauernber de=trachtung fammte. Sie ^3t)antafie bed ftinbed h®t ftarfe ©d)wingen; bod) hüte manftd), biefe Schwingen in fieberhafte dewegung 5 U fefsen. Oeber foldje Ueberreij fd)Wäd)tbie gefunbc Sl)ätigfeit bed ©eifted. ©d bürfen nie mehr Neije unb Srafte oerbraud)twerben, ald eben nötl)ig finb, um bad Sntereffe bed Seferd am gaben ber ©rjählunghin in mäßiger ©b annun S ä u erhalten, ©in Ueberfbamten bed 3 ntereffcÖ ift oft nod)gefährlicher, ald ein Nadjtaffen jur Sangweiligfeit.