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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
885
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Sugcitblcctiirc, ,3ugenblitcratur. 885

III. (gtgertfdE)aften einer guten Sugenbfdfrift.

l) ®ie 3ugenbfdjrift hat bie 31 itfgaBe, burd) eine anmutige unb äugleicf) MeljrenbeUntergattung bie 3ugenb in ihrer allgemeinen ©tlbuttg ju forbern. ©ie foö in müßigen©tunben bem Zöglinge eine geiftige Erfrifdjuttg gewähren unb jugleidj unmerflid) tieferengäbagogifdjen 3»eden bienen, iljm eine »iUfommette Erholung »on ber ©dfularBeitBieten nnb bod) jugteid) eine Ergänzung beß ©d)ulunterrid)td Bitben. ©on beut ©djul =tefeBndte unterfdfeibet fidj bie Bugenbfdjrift baburd), baß jenes audbrüdlid) jum ©d)ut=unterrichte in ber beutfdjen ©brache unb Literatur Benugt, non bem Seljrer erftärt unbnon bem ©djüler Bearbeitet »irb, biefe bagegen aud freier Siebe getefen, ohne §utfeeines anbern oerftanben »erben fott unb nur in biefer (inbuctioen) SBeife bie @grad)=Bitbung bed ©djfilerd förbern ». Ed muß baljer bem entfgredjenb bie methobifdfeEinrichtung Beiber ©djriften nerfdjieben fein, ©agegen mäßen Beibe in ihrem pa =bagogifdjen 3»ede übereinftimmen, b. h- barin, baß ihr Bnljalt geeignet fei, ben©ebanfen = unb SSfafdjauungdfteid ber Sugenb ju ertoeitern, bie ißt)antafie ju Belebenunb ju jägetn, bad ©emütlj ju erheben, ebte ©efinnungen unb retigiöfen ©inn ju er=tneden unb $u nähren unb ben ®efd)tnad ju Bitben. Sffienn aber ber ®runbfa(3 ber©ibaftit vid>tig ift, baß ber 3ugenbunterrid)t überhaupt nicht eine fubjectine Sehre,fonbern nur einen, atd BefteS Eigentum unb treiBenbe ®raft ber ©otfdBitbung Be=»ährten Inhalt geben bürfe, unb »enn biefem ©runbfage gemäß bad ©d)uttefeBud)fd)on feit Sahrjehnten ju ber Erfenntnid gefommen ift, baß feinem päbagogifdjen 3»ede

Siefe Klage fei aber and) auf anbere ©ebiete aubjubeßnen.Sie ßßßeren Stäube, bie lefenben©tänbe, leiben alle an bemfelben Hebel, »enn man auf bie Sffiurjel betreiben achtet, unb biefe iftbod) feine anbere, alb ber [Mangel an @elbftbefinnung, bab Soppelleben in unb,Bermßge »elcßeb neben einem biirftigen, nernacßläßigten »»fließen S<h ohne gaßigfeit ber ©elbft*Berleugnung unb »aßren Siebe ein bunteb Aggregat »on allerlei fcßßnen pßantaftifcßett ©orftet*lungen unb ©ebanfen in unferer Seele Durch Seetüre entftanben ift, bab ft<h ßfterb an bie Stellebeb 3d) fegen will, bab aud) gerührt »erben fann, bab fritifeße Urtheile abgiebt, bab fgtnpatßetifcßunb abftoßenb afficirt »irb, »ät)renb Der innere fütenfd), »enn er ftd) genau fragte, oft bie gerabeentgegengefegte Empfinbung in ftch bewegen mürbe. Eine fraftige ©ewaßrung Bor ber genießlicßenTräumerei beb ©eifteb »irb immer in ber hingebenben Slrbeit für baß ©atttje einer ©emeinfeßaftgegeben fein. 5Bie früh fann ba nicht feßon bie gamilie in bie ©ilbung beb anfangenben SQiiHenb

heilfam eintreten? SBBie BerantwortungbBoH ift eb, »enn ber ©ater unb bie SKutter burch Serufb*

leben unb gefellige Bcrftreuung bie Kittber anberen fjtänben 5 U -überlaßen getrieben »erben, bie,mßgen fie auch in ihrer Slrt treu fein, bod) nicht ber Kraftübung beb Kinbeb bie Stetigfeit unbben ftttlicßen Sfßertß geben fßnnen, ber nßthig unb ißnen felbft leichter ju gewinnen wäre. ©e>greiflich ift eb, warum bie tiefer blidenben fpäbagogen bamit nicht einuerftanben ftnb, baß bie

©cßule in unferen Sagen bie Sugenb fo niel befcßäfttgt, baß fte bem häufe »ie bie Beit, fo aud)

bab ©efüßl ber Pflicht nimmt, ihre ©lieber auch »äl)renb beb @d)ul(ebenb in bie elterliche,Bon ©ott alb unberäußcrlid) georbnete 3ud)t ju ftelTen. 3ft ber ©inn gewedt nicht nur fürbie Slrbeit, fonbern auch für gemeinfame hingebenbe Slrbeit, bie nod) gang anbere greube mad)t,alb ber gemeinfame ©enuß, ber alb folcßer gefueßt wirb, bann »erben aud) aufb neue im focialenSebeit an ber Stelle abgenugter Einrichtungen neue fittließe ©anje entließen, bie unferen heutigen©ebfirfniffen entfpreeßen. Ser SEBille ift eb, worin bab heil liegt, nfd)t bab SBiffen. Unb bieferSöiTte ift burch Uebungen, bie ißm eigen ftnb, jur Eharafterftärfc beb ©uten ju etjiehen." greilid)fßnnen Schule unb Srjießung,wenn eb gut fteßt, immer bod) nur fo gut fein, alb bie gactoren,»eiche ftch in ber großen ©efeKfcßaft ju bem befonbern @efd)äfte ber ©ilbung entfließen, unbbiefe ferfonen ftnb ja eben in ber ©efellfdjaft felbft uttb tragen ihre Signatur.* So ftnb wirbenn tl)eoretifd) in einem Birfel Bon ©orftetlungen; aber eb ift einmal fo, baß im Drganibmubbeb SBirfliehen fid) bie »id)tigften gleichseitigen ©orgänge »ecgfetfeitig bebingen unb nirgenbwo einreiner Slnfang gegeben ift. (,So ift' 1 , »ie dtofdjer fagt,fein bliihenber Slderbau mßglt^, ohneblfthenbett ©ewerbfleiß, aber au^ umgefehrt, bie ©litte beb legten hat bie beb erften gut ©oraub*fegung.. 3n allen folclten gallen breßt ftch bie Erflärung im Kreife herum, »enn wir nicht bab©orhanbenfein eineb organifd)en Sebenb annehmen, Bon »eld)em jene einjclnett Shatfaclcen ebennur Sleußerungett ftnb. ©ei Sl)uct)bibeb wirb immer fo erflart: A rührt her Bon B unb B Bon A;mit [Recht.") $ Sfteb.