Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
697
Einzelbild herunterladen
 

3uöMöimlität.

697

unb =fcfjreiben baS §au^tjiet beS UnterridjteS erfamtten unb in biefer 23ejiehung oonbcn jefuitifdjen Sel)ranftalten fid) nidjt unterfdjieben, meld)e gerabeju auf Unterbrüdungfreier inbioribueder Stegung auSgtengen; fo inerte bod) in ßroteftantifdjen Stnftalten, miein ber oon 3ol). ©türm in ©traßburg, ober in ber unter ihrem dictator perpetuusürojsenborf reßublitanifd) geglieberten ©djute 31 t ©olbberg ber (Seift eines freieren SebenS.

1 ®aS bringen auf einen naturgemäßen, bern ßögling baS fernen angenehm mad)enbenUnterricht, meldjer ben pabagogifdjen Steuerern, mie Staticb, ©omeniuS u. a.eigentümlich ift, fdjloß eigentlid) bie ^orberung einer 23erüdfid)tigung ber 3nbioi'bualitätfdjon in fid), unb non einigen mürbe biefe gorberung auch auSbrüdlid) auSgefprod)en;in ber ißrayiS aber führte baS Vertrauen auf bie abfotut richtige SDtetljobe, meldje einjeber entbedt ju haben glaubte, meift oielmet)r baju, baß biefe reformatorifd)e ipäbagD=gif gegen bie SJerfc^ieben^eit ber 3nbioibualitätcn gleidpnadjerifd) fid) üerhielt. Sleljnlid)»erhält eS fid) mit ber pljitantljropifdjen @rjiet)ung 23afebomS unb feiner 2lril)änger,in meldjer überbieS, mie fcßon bei Sode, bie 9iüdfid)t auf ben äußeren ßtoed, '»nützlicheSBeltburger" ju erjiet)en, bie 3nbioibualität nid)t ju il)rem netten Stedjte fomnten ließ.StnbererfeitS ft^tug bei 9t 0 u f f e a u baS 9ted)t beS 3nbioibuumS gurn Unbanf unb Un=redjt beS egoiftifd) ifolirten ©ubjectS gegen bie ©attung unb bie ©efedfdjaft um. e=ftaloyi, inbem er bie Siebe jum eigentlichen ißrincip ber fpäbagogifd>en ST^atigfcit er=hob, eine allgemeine SSolf'Sbitbung forderte unb alfo ben ©injelnen als organifdjeS ©liebber ©efammtfieit auffaßte, ber er anget)örte, unb inbem er enblid) baS 9Jtutterl)auS alsbie eigentlidje Stätte ber ©rjieljung anfal), hatte bamit bie mefentlidjen SBorauSfe^ungen! gemährt, unter melden bie red)te S3erüdfid)tigung ber 3nbioibualität in ber @rjiel)ung

' möglich ift. SDodj and) bei ihm übermog bie 2Bertt)legung auf ben fertigen ntet^obi=

feßen Schematismus jn fel)r, unb eS blieb ^ß^tlofo^ett, mie fd)Oit Sant unb f?id>te,bcfonberS aber 3. 3. SB a g n e r (ißhitofophie ber ©rjiehungSiunft, Seidig 1 803 , ©.87 ff.)unb $ raufe (Urbilb ber SJtenfcßheit, ©. 385 ), unb ®id)tern mie ®oetl)e, @d)illerunb 3. iJ3aul (Seoana §. 27 ff.) oorbdjalten, auf bie ßäbagogifcbe 23ebeutung ber 3n=bioibualität nad)brüdlid)er hingutoeifen. ®ie 8 mag manchmal ju einer ungehörigen, bienatürliche Trägheit beS ©rjieherS begünftigenben nffreigebigfeit mit bem Slngeborenengeführt haben, mit meld)er aud) ber ntoberne »©ultuS beS ©eniuS" gufammenhängt, unbinfofern hatte eS feine ^Berechtigung, menn 23 e n e! e bie erfahrungsmäßig unS entgegen:tretenbe inbioibuede 23erfd)iebent)eit mehr als eine burd) äußere ©tnmirfungen gemorbene,benn als eine urfprünglid) angeborene mürbigte. 23eftimmter hat fie in lefcterem Sinne§erbart anerlannt; oor adern aber finb SB. o. ^umbolbt unb ©d)leiermad)erals Vertreter ber 3 nbioibualität, toie im allgemeinen, fo namentlich aud) auf päbago=gifd)em ©ebiete ju nennen; beibe haben gugteid) burd) it)r eigenes 23eifßiel bettriefen,itrie bie 23orauSfcj}ung einer urfßrüuglidjen, gottgemodten inbioibueden Slntage ben ©iferfelbftthätiger 23ilbung leineStoegS lät)mt, fonbern, richtig oerftanben, it)n auf baS 1rdf=tigfte förbern muß.

i| Stach biefer hiftorifchen ©runblegung haben mir nun, jebod) nur infomeit, als eS

nid)t in früheren öermaubten Slrtifeln bereits gefchehen ift, auf bie grage näher eiujn:gehen, marum unb auf meldje SBcife bie ©rjiehung auf bie 3nbioibualität 9tüdfid)t 31 tij nel)tnen hat. 2)ie 23erfd)iebenheit ber 3nbioibuen ift nun junäd)ft eine &hatfad)e, meld)e

! bem Srjieher fo gebieterifd) fid) aufbrängt, baß er ihrer 23erüdfid)tigung fid) unmöglich

gauj entziehen lann. 3 ft aber biefe ®l)atfad)e lebiglich ein ißrobuct ber ©inmirfung; äußerer 23erl)ältniffe, fo fann ber ©rjiel)er feine Slufgabe gerabe barin erfennen, biefenSinnrirfungen anbere oon feiner ©eite entgegenjufeijen, um ben Zöglingen eine anbere®igenthümlid)feit anjubilben, als bie nad) ber 2lnfid)t beS ©rjiet)erS fehlerhafte, meld)eunter jenen ©inmirfungen entftanben ift. 3)aS Stecht ber 3nbioibualität, als folche oonber ©rjiehung anerlannt unb gepflegt ju »erben, fommt berfelben nur bann ju, mennfte eine in bem SBefen beS 3^S^ättgg urfprünglid) begritnbete, »eil oon ©ott in ihngelegte unb bamit angeborene ift. $ür bie Urft>rünglid)!eit ber 3 nbiöibualität in biefemSinne fßridjt nun fdjon bie ©rmägung, baß je höher eine ©attung in ber ©tufenreilje